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In der 24. Woche geboren – Familienglück nach 129 Tagen im Helios Klinikum

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Bernau / Berlin-Buch: Die moderne Neonatologie hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht.

Das zeigt auch die Geschichte von Melina Sophie und ihrer Familie aus Rehfelde, Brandenburg. Das frühgeborene Mädchen kam in der 24. Schwangerschaftswoche zur Welt, wog nur 580 Gramm und konnte nach 129 Tagen intensiver Betreuung die neonatologische Station des Helios Klinikums Berlin-Buch verlassen. Ihre Eltern Madlen und Stephan Schmidt sowie der betreuende Neonatologe Dr. med. Egmont Harps erzählen, wie wichtig die Nähe der Familie sowie die neuesten medizinischen Erkenntnisse für das Überleben und Gedeihen von Frühgeborenen sind.

„Ich bin nachts wach geworden und habe direkt gemerkt, dass ich Fruchtwasser verliere“, beschreibt Madlen Schmidt, 37 Jahre, aus Rehfelde, das schockierende Erlebnis. Die werdende Mutter befand sich zu diesem Zeitpunkt in der 22. Schwangerschaftswoche und war mit ihrer zweiten Tochter Melina Sophie schwanger. Ihr Mann Stephan fuhr sie direkt ins Krankenhaus, um die Situation abklären zu lassen. „Aufgrund der dramatischen Situation wurden wir dann direkt in die Neonatologie im Helios Klinikum Berlin-Buch überwiesen“, lässt er die Ereignisse der Winternacht Revue passieren.

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Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist mit seinem Perinatalzentrum Level 1 auf die Versorgung bei komplizierten Schwangerschaften sowie Frühgeburten spezialisiert. Unterschieden werden dabei Level 2 (Versorgung von Frühgeborenen ab 1.250 g Geburtsgewicht) und das Maximallevel 1, bei dem Frühchen auch unter 1.250 g versorgt werden können.

Ehrliche Kommunikation als Entscheidungsgrundlage

Im Helios Klinikum Berlin-Buch wurde die Familie ab Tag eins von Dr. med. Egmont Harps, leitender Oberarzt der Neonatologie, und seinem Team betreut. „Als Madlen Schmidt in der 22. Schwangerschaftswoche an uns überwiesen wurde, befand sich das Kind in der sogenannten Grauzone. Das bedeutet, dass in diesem sehr frühen Schwangerschaftsstadium, in der 22. und 23. Woche, der elterliche Wille entscheidet, ob eine aktive intensivmedizinische Behandlung begonnen wird oder alternativ eine palliative Versorgung erfolgt. So eine schwere Entscheidung bedarf natürlich ausführlicher Gespräche zwischen den Eltern, Neonatologen und Geburtshelfern“, erklärt der Facharzt für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin. Eine palliative Behandlung bedeutet in solchen Fällen, dass das Kind nach der Geburt beim Sterbeprozess begleitet wird, ggf. Schmerzen gelindert werden, aber keine lebenserhaltenden Maßnahmen eingeleitet werden.

Diese Entscheidung ist nicht nur für die betroffenen Eltern schwierig. Die Neonatologen führen dann ausführliche Gespräche mit den Eltern, in denen sie auch statistische Daten aus der Qualitätssicherung des eigenen Hauses mit heranziehen können: „Ein Kind, das in der 22. Schwangerschaftswoche geboren wird, hat eine Überlebenschance von 50 Prozent. Die 50 Prozent der Babys, die überleben, haben zu 30 Prozent einen guten Outcome. In solchen Momenten können die Eltern manchmal leider nur eine reine Gefühlsentscheidung treffen.“  Angesichts dessen sieht Dr. Harps eine klare und ehrliche Kommunikation mit den Eltern für unerlässlich. „Die Eltern müssen wissen, welche Art der Versorgung und Therapie wir leisten können. Wie gut wir dem Kind helfen können. Dazu gehört aber auch klar zu formulieren, was wir nicht erbringen können. Am Ende liegt die schwere Entscheidung bei den Eltern, aber wir stehen mit dem Team aus Ärztinnen und Ärzten der Geburtshilfe und Neonatologie, Hebammen, Pflegepersonal der Geburtsstation und Psychologinnen und Psychologen stets unterstützend und beratend zur Seite.“

Auch Mama Madlen war über die Kommunikation mit den Expert:innen dankbar: „Ich habe die offenen und ehrlichen Gespräche mit den Ärztinnen und Ärzten sowie mit dem gesamten Team sehr geschätzt. Auch in dem Moment als mir niemand sagen konnte, ob ich Melina am Ende mit nach Hause nehmen kann.“

In der 24. Woche geboren - Familienglück nach 129 Tagen im Helios Klinikum

580 Gramm und 33 Zentimeter purer Kampfgeist

Madlen und Stephan Schmidt entschieden sich aus sehr persönlichen Gründen für die Fortsetzung der Schwangerschaft: „Für uns war sofort klar: Wir tun alles für Melina und wünschen keine palliative Behandlung. Vor allem, weil ich auch die positive Entwicklung meiner zu frühgeborenen Tochter, die ich aus einer früheren Beziehung habe, erlebt habe,“ sagt der 46-jährige Vater.

Mit Hilfe von Bettruhe, Wehenhemmern sowie der Verabreichung eines Kortisonpräparates, dass noch im Mutterleib die Lungenreife des Kindes auslöste und somit die Lunge auf das selbstständige Atmen nach der Geburt vorbereitete, schaffte es Madlen Schmidt bis in die 24. Schwangerschaftswoche und somit aus der medizinischen Grauzone. Während der zwei Wochen Bettruhe kreisten ihre Gedanken nicht nur um das ungeborene Kind, sondern auch um die 13-jährige Tochter Larissa Marie: „Mir gingen tausend Sachen durch den Kopf. Schaffen wir es aus dieser Grauzone? Kann die Kleine noch ein paar Wochen in meinem Bauch bleiben? Wie geht es Larissa Marie ohne Mama daheim?“

Schließlich kam Melina Sophie am 11. Dezember 2023 mit 580 Gramm und 33 Zentimetern und 16 Wochen vor errechnetem Entbindungstermin per Notkaiserschnitt auf die Welt, da Mama Madlen hohes Fieber bekam und somit eine Infektion des Fruchtwassers zu befürchten war. „So lange es der Mutter und dem Ungeborenen gut geht, versuchen wir die Schwangerschaft fortzusetzen, denn jede Woche im Mutterleib, minimiert das Risiko fürs Kind. Doch im Falle von Frau Schmidt mussten wir bzw. die Geburtshelferinnen und –helfer aufgrund einer Infektion in der 24+2 Schwangerschaftswoche das Kind holen,“ erklärt Dr. Harps.

Sanftere Behandlungsmethoden und familiäre Nähe

In der Neonatologie hat sich in den vergangenen 20 Jahren unheimlich viel getan. Die Behandlung ist insgesamt sanfter geworden, zudem wird den Frühchen mehr zugetraut. Ebenso haben die modernen, nicht-invasiven Behandlungsmethoden dazu geführt, dass die Kinder auch mit einer weniger invasiven Unterstützung gut zurechtkommen, wie Dr. Egmont Harps aus seiner über 30-jährigen Expertise zu berichten weiß: „Früher wurden Frühgeborene mit einem Schwangerschaftsalter von 23, 24 und 25 Wochen fast immer von Beginn ihres Aufenthalts an maschinell, also invasiv, beatmet. Heute hingegen schaffen es sehr viele Kinder ganz ohne invasive Beatmung – nur mit einer Atemunterstützung.“

Auch Melina Sophie konnte zu Beginn ihres Lebens selbstständig atmen. Jedoch erschöpfte sie sich trotz Atemunterstützung und musste intubiert werden. Die Zeit nach der invasiven Behandlung waren nicht nur für das Frühgeborene, sondern auch für die Eltern die schwerste Zeit, denn das Kind hatte eine Entzündung und musste schwer beatmet werden. „Rückblickend betrachtet war das für uns die schwierigste Zeit“, sagt Stephan Schmidt.

Insgesamt hat sich der Fokus auf der Neonatologie geändert. Heute wird der gemeinsamen Familienzeit mehr Bedeutung beigemessen und deswegen vielerorts ermöglicht, dass die Eltern auf der Station bleiben und ihr Frühchen mitversorgen können. Im Helios Klinikum Berlin-Buch können die Eltern im direkt angrenzenden Ronald-McDonald-Haus unterkommen. Auch Dr. Egmont Harps sieht in diesem Angebot einen klaren Standortvorteil der Neonatologie und Pädiatrie in Buch: Wir sind wir sehr froh, dass wir mit unserem Ronald-McDonald-Haus ein ortsnahes Wohnangebot für die Eltern haben, die nicht direkt im sogenannten Rooming-in-Angebot mit ihren Kindern bleiben können. Im Haus können beide Elternteile und auch eventuelle Geschwisterkinder ein vorübergehendes Zuhause finden. Davon profitieren nicht nur die Eltern, sondern vor allem die Frühchen.”

Familie Schmidt verbrachte insgesamt 121 Tage im Ronald-McDonald-Haus und konnte so ihrer Tochter stets nah sein. „Wir sind so dankbar, dass wir diese lange Zeit als Familie im Ronald-McDonald-Haus verbringen konnten. Dadurch wurden uns zusätzliche Belastungen genommen und wir hatten die Möglichkeit, uns mit anderen betroffenen Familien auszutauschen. Das hat uns Kraft gegeben und wir sind dem Team so dankbar,“ berichtet Stephan Schmidt von seinen positiven Erfahrungen.

Gute Prognosen für die Zukunft

Nach 129 Tagen auf der Bucher Neonatologie konnte Melina Sophie entlassen werden und daheim in Rehfelde einziehen. Zu Beginn musste die kleine Patientin noch wöchentlich die Expert:innen im Helios Klinikum Berlin-Buch besuchen, da sie ein paar gesundheitliche Startschwierigkeiten hatte. „Ein paar Dinge hat sie mitnehmen müssen, z.B. eine Retinopathie, ein unregelmäßiges Wachsen der Netzhautgefäße der Augen. Hier hatte sie Probleme, aber durch eine Glaskörperinjektion in beide Augen wurde auch diese Problematik gut in den Griff bekommen“, erklärt Neonatologe Harps die gesundheitliche Kondition.

Ebenfalls hatte Melina kleine Atemaussetzer, weshalb sie mit einem Monitor entlassen wurde, mit dem sie heute noch nachts verbunden werden muss. Für Mama Madlen ist aber bereits der Alltag mit ihren zwei Kindern eingekehrt: „Der Heimmonitor sorgt für Sicherheit und wir wurden auch sehr gut geschult wie wir im Notfall handeln müssen, aber generell verspüren wir seit der Entlassung keine Unruhe mehr. Wir genießen die Zeit zu viert.“

Trotz der gesundheitlichen Einschränkungen, die Melina aktuell noch hat, zeigt sich Dr. Egmont Harps in seiner Prognose positiv: „Extrem unreife Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko spezifische Entwicklungsstörungen zu entwickeln, wie motorische Entwicklungsverzögerungen, schulische Teilleistungsstörung und Aufmerksamkeitsstörungen, deshalb wird Melina engmaschig an die Frühgeborenen-Sprechstunde im SPZ angebunden. Bei Melina gab es zu Beginn ein paar kleine organische Probleme, aber die Ultraschall-Untersuchung vom Gehirn sehen ganz normal aus und sie hat keine zerebralen Veränderungen. Wir sind sehr guten Mutes, dass sie sich gesund entwickeln kann.“

Melina hat sich seit ihrer Geburt körperlich gut entwickelt und bringt mittlerweile 3.180 Gramm auf die Waage und ist 49 Zentimeter groß.

Für Dr. Egmont Harps und sein Team ist es auch nach Jahren der Erfahrung noch immer ein freudiges Wunder, wenn die Frühgeborenen so prächtige Fortschritte machen, denn sie wissen leider nur zu gut, dass in vielen Fällen das Schicksal auch anders verlaufen kann. Madlen und Stephan Schmidt können nun mit Erleichterung auf die schwere Zeit zurückblicken und anderen Eltern Mut machen: „Zu Beginn ist man mit der Situation überfordert. Wir haben Tag für Tag alles auf uns zukommen lassen und können rückblickend sagen, man wächst mit seinen Herausforderungen.“

Verwendete Quelle: Helios Klinikum Berlin-Buch

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