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Jüdisches Leben in Panketal – Lesung und Gespräche mit Walter Seger

Buchvorstellung

Bernau / Zepernick: Rolf Gerlach hätte sich gefreut über das Interesse an der Veranstaltung, die am Donnerstagabend in der Aula der Grundschule Zepernick stattfand.

An die 50 Frauen und Männer waren gekommen, um mehr über die Verfolgung der „Juden in Zepernick“ während des  Nationalsozialismus zu erfahren.

Rolf Gerlach, verstorben in diesem September, kommt das Verdienst zu, bereits Anfang der 1990er-Jahre das Thema zum Gegenstand jahrelanger Recherchen gemacht zu haben. In seinem zuletzt erschienenen Buch „Zepernicker Rückblicke ins 20. Jahrhundert“ erinnert er sich: „Nach Juden in Zepernick zu fragen befremdete die Angesprochenen meist, zunächst jedenfalls, bis ich einräumte, einige ja doch schon zu kennen bzw. deren Namen bereits auf einer diesbezüglichen Karteikarte festgehalten zu haben. Was dann trotzdem das Gespräch nicht flüssiger machte, nur bei den wenigstens ein trübes Ungefähres aus dunklem Erinnern vom Hören-Sagen herauslockte…“

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Der Chronist kommt zu dem Schluss: „Wie ein Deckel lastete (und lastet immer noch) schweigende Beklemmung auf dem Thema, das im Nationalsozialismus aus Angst verdrängt, zu DDR-Zeiten als Störung des heldisch-optimistischen Menschenbildes ausgeklammert worden war, und heute nach der Wende im ökonomisch-verquälten Anpassungsrausch kapitalistischer Präferenzen nur mühevoll als immer noch unaufgearbeitet bewusst gemacht werden kann.“

Rolf Gerlachs Recherchen waren der Ausgangspunkt für den Autor Walter Seger, in Zusammenarbeit mit dem Panketaler Geschichtsverein „Heimathaus“, weiter zu forschen. In seinem Buch „Die jüdischen Bewohner in Zepernick 1933 – 1945“ stellt er die Schicksale der Familien dar. „Es sind Einblicke in das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte – ganz lokal, in Zepernick“, hebt Thorsten Wirth von Kulturverein Kunstbrücke Panketal bei der Vorstellung des Buches am Donnerstagabend hervor.

Die Schicksale von vier jüdischen Familien aus Zepernick stehen im Mittelpunkt. Mit Michael Mike Benning, der 1939 als Sechsjähriger mit zwei seiner Geschwister mit einem Kindertransport nach England geschickt wurde, und heute, 88-jährig, in den USA lebt, ist einer der letzten noch lebenden Zeugen der Greueltaten der Nazis nach Zepernick zurückgekehrt.

Die Bennings wohnten in der Goslarer Straße. Vater Wolfgang, vor dem Naziterror ein bekannter Journalist, wurde am 1. März 1943 in Berlin verhaftet und in Auschwitz ermordet. Mutter Anneliese Benning deportierte die Gestapo mit den drei jüngsten Kindern drei Monate später in das Konzentrationslager Theresienstadt. Sie und ihre drei Kinder überlebten die Torturen schwer krank und traumatisiert.

Als Michael Mike Benning 1948 nach Berlin zurückkehrte, war ihm seine deutsche Familie fremd. Bis heute seien seine englischen Eltern für ihn „Mama“ und Papa“, deren Kinder und Nachkommen seine Geschwister, Neffen und Nichten, erzählte er Walter Seeger. Dass seine leibliche Mutter ihn zurück holte, habe er ihr erst viele Jahre später verziehen. 1961 wanderte Mike Benning mit seiner amerikanischen Frau in die USA aus.

„Ich habe viele Jahre meines Lebens versucht, nicht an diese Zeit zu denken“, sagt Mike Benning am Donnerstagabend, als er gefragt wird, wie es ist, wieder in Zepernick zu sein. „Es war sehr emotional, das Haus wiederzusehen.“

 

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