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Immanuel Herzzentrum in Bernau gelingt Durchbruch in der Herzmedizin

Minimalinvasiver Eingriff statt OP am offenen Herzen

Bernau / Barnim: Das Immanuel Herzzentrum Brandenburg ist weit über die Grenzen unserer Stadt bekannt und machte bereits mehrmals Schlagzeilen mit Errungenschaften in der Herzmedizin.

Nun ist dem Klinikum erneut eine großartige und weltweit einzigartige Behandlungsmethode gelungen, die die Behandlungsoptionen für schwer kranke Patienten erheblich verbessert. Ärzten ist die weltweit erste Implantation einer Herzklappe mittels Katheter in eine bereits vorhandene, mechanische Herzklappe gelungen. Der im European Heart Journal publizierte kürzliche Eingriff hat in der Herzmedizin weltweites Aufsehen erregt. Die Veröffentlichung wurde im ersten Monat ihres Erscheinens fast 5000 Mal gelesen. 

Ende der 60er Jahre wurde die erste künstliche Herzklappe entwickelt, deren Verschlussmechanismus aus zwei Karbon-Kippscheiben bestand. Obwohl jährlich immer noch fast 1300 Klappen dieser Bauart implantiert werden, kommen heutzutage zunehmend biologische Herzklappen zum Einsatz, in die schonend eine neue Klappe in Kathetertechnik implantiert werden kann, wenn sie defekt sind. Ungelöst war das Problem bei mechanischen Herzklappen.

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Univ.-Prof. Dr. Christian Butter (Chefarzt der Kardiologie) und seine Kollegen Frank Hölschermann (Oberarzt Kardiologie) und Dr. Ralf-Uwe Kühnel (Oberarzt Herz- und Gefäßchirurgie) schreiben mit diesem neuen Transkatheterverfahren Medizingeschichte, so das Klinikum.

Minimalinvasiver Eingriff statt OP am offenen Herzen

Der Patient, ein 65-jähriger Mann mit einer akuten Herzschwäche, die sein Körper inzwischen nicht mehr von selbst ausgleichen konnte, erlangt durch den Eingriff ein großes Stück Lebensqualität zurück. Vor sieben Jahren unterzog er sich schon einmal einer Herz-OP, damals am offenen Herzen. Ihm wurde eine mechanische Herzklappen-Prothese eingesetzt. „Bei einer Körpergröße von 1,80 Metern wog der Mann nur 52 Kilo und war geplagt von Begleiterscheinungen seiner Herzerkrankung: der chronischen Lungenkrankheit COPD, Kurzatmigkeit und einem Nierenleiden. Außerdem hatte er bereits einmal einen Schlaganfall erlitten“, berichtet Prof. Butter. Einzige Hoffnung: eine erneute Herz-OP. Doch für einen Eingriff am offenen Herzen war der Gesundheitszustand des Mannes zu schlecht.

Bisher wurden nicht mehr funktionstüchtige, mechanische Klappenprothesen mit einem chirurgischen Klappenersatz behandelt. Wesentlich schonender für geschwächte Patienten ist dagegen eine minimalinvasive Transkatheter Klappe-in-Klappe Implantation über einen fingerdicken Einstich in der Leiste, am schlagenden Herzen.

2021 09 08 pressefoto immanuel herzzentrum brandenburg welterste transkatheter herzklappen implantation in bestehende mechanische klappeImplantation der neuen Klappe in den verbliebenen Ring der mechanischen Klappe

Sprengung der mechanischen Klappe

Während des Eingriffs sprengten die Ärzte mit Hilfe eines Ballons am Katheter die eingesetzte mechanische Klappe. Ziel war es, die nicht mehr funktionstüchtigen Flügel in der Klappe auszutauschen. Die Sprengung der alten Klappe prüften die Ärzte zuvor in einem vorklinischen Labortest. Damit keine Fragmente der Karbon-Flügel der „alten“ Klappe in den Kopf gelangen und einen Schlaganfall auslösen konnten, wurden diese mit einem Filtersystem aufgefangen. Am Ende blieb nur der Ring der vormals implantierten Aortenklappenprothese, in den abschließend die neue Herzklappe eingesetzt wurde.

Dieser neue therapeutische Ansatz kann vor allem jenen Patienten helfen, die für eine erneute „große“ Operation nicht in Frage kommen. Aber es ist auch denkbar, diese Methode bei einem breiter gefächerten Spektrum an Patientinnen und Patienten anzuwenden.

Der erste Patient für das neue Verfahren hat den Eingriff gut überstanden. „Schon nach sieben Tagen konnte er das Herzzentrum laufend und ohne jegliche neurologischen Defizite verlassen“, sagt Prof. Butter und fügt hinzu: „Die Operation war damit ein voller Erfolg, in erster Linie natürlich für den Patienten selbst. Wir konnten ihn mit einer deutlich verbesserten Herzfunktion entlassen. Die Risiken, die von einem solchen Eingriff ausgehen, konnten wir für ihn auf ein Minimum reduzieren.“

Verwendete Quellen: Immanuel Herzzentrum Brandenburg

 

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