Bernau / Barnim: Am 11. Juni 2026, traditionell einen Tag vor dem Hussitenfest, fand der 11. Wirtschaftsempfang der Stadt Bernau bei Berlin statt.
Vor Vertretern aus Wirtschaft, Politik und der IHK Ostbrandenburg zog der Bernauer Bürgermeister eine positive Bilanz der lokalen Entwicklung. Trotz eines schwierigen weltpolitischen und wirtschaftlichen Umfelds verzeichne die Stadt eine robuste Dynamik.
Dies bestätige unter anderem der aktuelle IW-Gemeindecheck des Instituts der deutschen Wirtschaft, bei dem Bernau auf Platz 520 von über 10.000 bewerteten Kommunen landete und damit zu den besten fünf Prozent in Deutschland zählt. Besonders in den Bereichen medizinische Versorgung, Bildungsinfrastruktur, Verkehrsanbindung und Freizeitangebote erzielt die Stadt Spitzenwerte. (wir informierten)
Als wesentliches Fundament dieser Entwicklung wurde die lokale Unternehmerschaft gewürdigt. Mit mehr als 3.000 ansässigen Betrieben stellt die Bernauer Wirtschaft aktuell rund 12.500 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze bereit – ein Zuwachs von 29 Prozent seit dem Jahr 2011. Im selben Zeitraum hat sich die Arbeitslosenquote auf fünf Prozent halbiert. Ein markantes Strukturmerkmal des Standorts bleibt jedoch der kontinuierlich wachsende negative Pendlersaldo: Den rund 7.600 Einpendlern stehen aktuell 14.200 Auspendler gegenüber.
Die Minimierung dieser Diskrepanz durch die gezielte Unterstützung von Betriebserweiterungen und Neuansiedlungen definiere daher eine Kernaufgabe der Stadtverwaltung, um zusätzliche Arbeitsplätze direkt am Wohnort zu schaffen. Die hohe Nachfrage spiegelt sich auch im VGP-Park wider, der bis auf wenige Restflächen vollvermietet ist. Die Erschließung neuer Areale besitzt für die Verwaltung daher oberste Priorität.
Zur Stärkung der Rahmenbedingungen setzt die Stadt auf den konsequenten Ausbau der Infrastruktur. Dazu gehören die Planung eines weiteren Gewerbegebietes sowie die Realisierung einer zweiten Anbindung an die Autobahnanschlussstelle Bernau-Süd, um den Verkehrsfluss über den Innenstadtring zu optimieren und Staus im Zentrum zu vermeiden. Im Bildungsbereich weisen die vier städtischen Grundschulen, die Oberschule und die 17 Kitas einen guten Sanierungs- und Ausbaustand auf. Die verlässliche Kinderbetreuung wird dabei ausdrücklich als wesentlicher, weicher Standortfaktor für die Wirtschaft verstanden. Verzögerungen durch knappe Kassen aufseiten externer Vorhabenträger gibt es hingegen bei überregionalen Verkehrsprojekten wie der Oranienburger Straße und dem Brückenneubau der Bahn über die Weißenseer Straße, welcher sich voraussichtlich auf die Jahre 2028/2029 verschiebt.
Demografisch verzeichnet Bernau mit aktuell rund 46.000 Einwohnern eine Stagnation des Bevölkerungswachstums. Dies ist das Resultat eines vor fünf Jahren eingeleiteten Paradigmenwechsels, bei dem vorerst keine neuen Großprojekte im Wohnungsbau begonnen, sondern lediglich bestehende Planungen finalisiert werden. Aufgrund eines bestehenden Sterbeüberschusses ist die Stadt künftig auf einen positiven Zuzugssaldo angewiesen, um die Einwohnerzahl und damit die für den Haushalt wichtigen finanziellen Schlüsselzuweisungen stabil zu halten. Laufende Wohnbauvorhaben wie am Venusbogen, an der Schwanebecker Straße und das jüngst begonnene Projekt in der Heinersdorfer Straße sichern hierbei den mittelfristigen Bedarf.
Abschließend verwies der Bürgermeister auf die Transformation zur klimarobusten Kommune durch die Finalisierung der städtischen Wärmeplanung sowie punktuelle Entsiegelungsmaßnahmen, etwa am Bahnhofsvorplatz. Neben harten Standortfaktoren investiert Bernau weiterhin konsequent in Kultur- und Freizeitangebote, um die Attraktivität als Lebens- und Wirtschaftsraum zu festigen. Neben dem Hussitenfest bildet der zehntägige Weihnachtsmarkt einen kulturellen Höhepunkt. In diesem Kontext wurde das Engagement des Barnimer Mittelstandshauses hervorgehoben, das im Dezember den traditionellen „Lichterglanz“ entlang der Stadtmauer reaktiviert und hierfür noch finanzielle Unterstützung und Sponsoren aus der regionalen Wirtschaft sucht.
Ehrenzeichen der Stadt Bernau für Kurt-Josef Michels
Im Rahmen des Wirtschaftsempfangs wurde Kurt-Josef Michels mit dem Ehrenzeichen der Stadt Bernau bei Berlin ausgezeichnet. Der Bürgermeister würdigte damit dessen herausragende Verdienste um den Wirtschafts- und Gesundheitsstandort sowie sein gesellschaftliches Engagement.
Michels hatte nach der politischen Wende auf dem Gelände der Waldsiedlung die BrandenburgKlinik Berlin-Brandenburg errichtet, die sich mit über 900 Stationsbetten, jährlich mehr als 10.000 behandelten Personen und über 1.500 Mitarbeitenden zum größten Arbeitgeber der Region entwickelt hat. Neben dem wirtschaftlichen Impuls und der Schaffung von Arbeitsplätzen – bereits ab 1991 auch für ehemals Arbeitslose des Standorts – trug das Unternehmen maßgeblich zum Wachstum des Stadtteils Waldsiedlung bei, in dem heute über 1.000 Menschen leben. Zudem wurde Michels für seinen Einsatz zum Erhalt des historischen Erbes der einstigen Politbüro-Siedlung und der dortigen Skulpturensammlung sowie für die Unterstützung sozialer Stiftungen geehrt. Ein weiterer Meilenstein ist das im UNESCO-Welterbe Bauhaus angesiedelte „Michels Bildungsforum für Gesundheitsberufe“, das nach der Pflege- und Ergotherapieschule im Jahr 2026 um eine Logopädieschule erweitert werden soll.

Georg-Rollenhagen-Peis
Der Rotary Club Bernau würdigte in diesem Jahr das Projekt „Stadtentdecker“ der Klasse 5d der Georg-Rollenhagen-Grundschule. Das von der Brandenburgischen Architektenkammer entwickelte Projekt „Stadtentdecker“ sensibilisiert Kinder und Jugendliche spielerisch für Fragen der Stadtentwicklung und Baukultur. In Bernau begleiteten zwei Architektinnen (Ganter Architekten GmbH) Schülerinnen und Schüler der Georg-Rollenhagen-Grundschule dabei, ihr Umfeld bewusst wahrzunehmen, indem sie Lieblingsorte kartierten und den Stadtraum analytisch erkundeten. Auf Basis ihrer Beobachtungen entwickelten die Kinder eigene Gestaltungsvorschläge und Modelle für die kommunale Planung, wodurch gleichzeitig ihr Selbstbewusstsein gestärkt und das Interesse an Berufen der Stadtplanung geweckt wurde.

Gemütliches Ende
Im Anschluss an die Ehrungen und den ausgiebigen Applaus für die Musikerinnen und Musiker des Brandenburgischen Konzertorchesters Eberswalde, ging es zum gemütlichen Teil des Abends über. Hier saß oder stand man bei einem leckeren Buffet, Wein und netten Gesprächen noch einige Zeit im Foyer des Rathauses beieinander – wetterbedingt wurde vorsichtshalber auf die Dachterrasse verzichtet.