Bernau / Barnim: Ob im Herzen der Stadt oder im Grünen unserer Ortsteile: Das Bernauer Stadtbild ist um vier Skulptur- und Bildhauerarbeiten reicher.
Die Kunstwerke entstanden im Rahmen der deutsch-polnischen Bildhauersymposien „Terrain – Teren I und II“ (2020 und 2023) und haben nun ihre festen Plätze eingenommen.
Eine Geste der Demut: „Touch“ am Stadtpark (Titelbild)
An der Kreuzung Jahnstraße/Ladeburger Chaussee, direkt gegenüber der Sparkassen-Arena, fällt eine überlebensgroße Metallskulptur ins Auge. „Touch“ – Berührung – heißt das Werk des polnischen Bildhauers Piotr Wesołowski aus Mietków. Aus perforierten Stahlblechen und Moniereisen geformt, verarbeitet es eine persönliche Erinnerung: Sein Großvater, ein Bauer, griff jeden Morgen ehrfürchtig in die Erde seines Ackers. Auf der Wiese am Rande des Stadtparks lässt die biomorphe Skulptur Raum für Interpretationen – am ehesten erinnert sie an eben diese Hand, die sanft die Erde berührt.
Unendliche Begegnungen: „Treffen“ am Dorfteich Börnicke
Im Ortsteil Börnicke lädt seit Kurzem eine ganz besondere Granitbank zum Verweilen ein. Das Werk „Treffen“ des Künstlers Andrzej Kosowski aus Wrocław steht an der Börnicker Dorfstraße nahe dem Feuerwehrtheater. Inspiriert von der unendlichen Form des Möbiusbandes, hebt die geschwungene Sitzbank Trennungen auf: Obwohl die beiden Sitzflächen nebeneinander liegen, schauen die Sitzenden in entgegengesetzte Richtungen. So entsteht eine spannende „Treffplattform“, die den Vorbeigehenden die Freiheit lässt, miteinander ins Gespräch zu kommen oder ganz für sich zu bleiben.
Kunstvoller Zuwachs: Der „Röhrende Hirsch“ in Schönow
Auch Schönow darf sich freuen: Im kleinen Park nahe dem Kreisverkehr (Berliner Allee/Schönerlinder Straße) hat der „Röhrende Hirsch“ der Biesenthaler Künstlerin Anne Schulz seinen Platz gefunden. Sie begann die Sandsteinfigur bereits beim ersten Symposium 2020 und vollendete sie kürzlich. Unweit der Schönower Heide steht die Tierplastik als Symbol für das Zusammenspiel von Mensch und Natur sowie für den Schutz heimischer Landschaften. Die Skulptur löst damit das Werk von Rainer Fest ab, der seine Arbeit Anfang des Jahres für Ausstellungszwecke abgeholt hatte.
Ein Blick ins Innere der Zeit: „Terra Exalta“ auf dem Kulturhof
Wer den Kulturhof an der Breitscheidstraße 43 besucht, stößt auf ein Werk der Berliner Künstlerin Birgit Cauer. Für „Terra Exalta – Leben zwischen Himmel und Erde“ wählte sie Travertin, einen offenporigen Kalksteinblock. Mit Hammer, Meißel und Bohrer arbeitete sich die Künstlerin tief in den Stein vor. Durch geschaffene Nischen und Hohlräume gibt sie den Blick frei auf urzeitliche, Millionen Jahre alte organische Einschlüsse – ein Werk, das zum genauen Hinsehen und Entdecken einlädt.
Über die Symposien „Terrain – Teren“
Unter dem lateinischen Begriff Terra (Erde, Acker) beziehungsweise Terrain (abgegrenztes Gelände) arbeiteten Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland und Polen jeweils drei Wochen lang im Bernauer Stadtpark unter freiem Himmel. Rund um das Rondell am Pulverturm konnten Passantinnen und Passanten hautnah miterleben, wie aus rohen Steinblöcken und Stahl strukturreiche Kunstwerke wurden.
Dass dieses grenzüberschreitende Projekt weit über die Kunst hinausgeht, brachte Bernaus Bürgermeister bereits zur Eröffnung der zweiten Runde auf den Punkt: Es gelte, in unruhigen Zeiten die engen Beziehungen zu den polnischen Nachbarn zu stärken und durch Kunst das gegenseitige Verständnis zu fördern – eine Botschaft, die an den neuen Standorten der Skulpturen lebendig bleibt.
Unsere Quelle(n): Stadt Bernau.