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Ein Brunnen für die Seele Bernaus: Bildhauer Friedrich B. Henkel wird 90

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Bernau / Barnim: Wer über den Bernauer Steintorplatz schlendert, begegnet ihm fast beiläufig: dem Quellbrunnen.

Kinder klettern neugierig über die geschwungenen Granitformen, Erwachsene treffen sich hier auf ein Gespräch oder genießen an heißen Sommertagen die kleine Erfrischung im nahen Café. Für viele Menschen in der Hussitenstadt gehört die Wasserkunst längst ganz selbstverständlich zum Alltag. Dass sich hinter diesem Werk einer der bedeutendsten Bildhauer Ostdeutschlands verbirgt, ist jedoch vielen gar nicht bewusst. Ende Juli feierte der Künstler Friedrich B. Henkel seinen 90. Geburtstag – ein schöner Anlass, um auf sein beeindruckendes Lebenswerk und seine Spuren in der Region zu blicken.

Mit dem 2004 geschaffenen Quellbrunnen hat der Bildhauer Bernau weit mehr hinterlassen als ein bloßes Wasserspiel. Es ist eine plastische Erzählung über die nahe Quelle der Panke und die von der Eiszeit geprägte Natur des Barnims. Roter Granit greift die warme Farbigkeit des historischen Steintors auf, während heller Granit sanft das Pflaster des Platzes fortführt. So treten Architektur, Natur und Kunst in einen leisen, harmonischen Dialog.

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Die Faszination für die Natur begleitet den 1936 geborenen Künstler von klein auf. Aufgewachsen im thüringischen Zella in der Rhön, prägten ihn die sanften Höhenzüge und Kalksteinfelsen seiner Heimat nachhaltig. Später erinnerte er sich mit poetischen Worten an diese Zeit: „Als Jugendlicher in der Rhön mit den Eltern wandernd, hatte ich das Gefühl, auf den Schultern eines Riesen zu laufen. Seine Schultern waren aus Erde und Kalkstein, die zu Landschaft wurden.“ Dieser Satz verriet schon früh den Schlüssel zu seinem gesamten späteren Schaffen.

Ein bildhauerischer Weg voller Entschlossenheit

Der Weg zum anerkannten Künstler verlangte Henkel einiges ab. Nach einer Holzbildhauerlehre studierte er an der Fachschule für angewandte Kunst in Leipzig und wechselte später an die Kunsthochschule Berlin-Weißensee zu Meistern wie Theo Balden und Waldemar Grzimek. Weil er jedoch schon früh Verantwortung für eine vierköpfige Familie trug, musste er das Studium aus finanzieller Not zunächst abbrechen. Seinem Weg blieb er dennoch treu.

Er arbeitete im Atelier von Grzimek, wirkte an der Denkmalgruppe für die Gedenkstätte Sachsenhausen mit und fand von 1960 bis 1965 als Architekt im DEFA-Filmstudio Babelsberg neue Impulse. Als Meisterschüler bei Fritz Cremer an der Akademie der Künste verfeinerte er schließlich seine Handschrift. Seit 1970 ist Friedrich B. Henkel als freischaffender Künstler tätig und gab seine Erfahrungen später auch als Dozent an den Nachwuchs weiter.

Ob Skulpturen, Druckplastiken, Zeichnungen oder Collagen – Henkels Arbeiten lassen sich keiner flüchtigen Mode unterordnen. Ihm ging es nie um die reine Abbildung der Natur, sondern um das Spürbarmachen des Wesens eines Ortes. Inspiration fand er auf Reisen nach Georgien, Rumänien, Italien oder Marokko ebenso wie vor der eigenen Haustür: in der Thüringer Heimat und in den weitläufigen Landschaften des Barnims. Mehr als fünf Jahrzehnte lang arbeitete er in seinem Atelier im Biesenthaler Ortsteil Wullwinkel, seit 2004 lebt er direkt in Bernau.

Anerkennung weit über die Region hinaus

Henkels Schaffen strahlt weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus. Erst Anfang dieses Jahres würdigte die Galerie Pankow sein Werk mit der Jubiläumsausstellung „Tektonik der Stille“. Zudem eröffnete das Winckelmann-Museum im altmärkischen Stendal im vergangenen Jahr einen eigenen Pavillon, der Henkels Skulpturen dauerhaft eine Heimat bietet. Sein künstlerisches Credo formulierte Friedrich B. Henkel einmal treffend: „Bildhauer sein bedeutet, Widerstand zu leisten gegen das Material, das Flüchtige, die Tradition, die Dummheit.“

Ein lebendiges Stück Bernauer Identität

Vielleicht ist es genau dieser kompromisslose Anspruch, der seinen Werken eine so zeitlose Ruhe verleiht. Der Quellbrunnen auf dem Steintorplatz drängt sich nicht auf, sondern entfaltet seine Wirkung im täglichen Miteinander der Generationen.

Ein Brunnen für die Seele Bernaus: Bildhauer Friedrich B. Henkel wird 90

Anlässlich seines 90. Geburtstages kamen die Familie, Weggefährten und Gratulanten am vergangenen Sonntag im Bernauer Ratskeller zusammen. Auch Bürgermeister André Stahl übermittelte die Glückwünsche der Stadt und fand würdigende Worte für den Jubilar: „Mit Friedrich B. Henkel feiert die Stadt nicht nur den 90. Geburtstag eines außergewöhnlichen Bildhauers. Sie würdigt einen Künstler, der Bernau mit dem Quellbrunnen ein bleibendes Geschenk hinterlassen hat. Für Kinder ist er ein Ort zum Spielen, für Erwachsene ein Kunstwerk – für Bernau aber ist er längst zu einem Stück Identität geworden.“

Unsere Quelle(n): Mit Informationen der Stadt Bernau bei Berlin. Beitragsbild: Sergej Scheibe.

 

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