Wo Kunst Spuren hinterlässt: Die neue Ausstellung im Kantorhaus Bernau
Samstag, dem 30. Mai ab 11 Uhr

Bernau – Barnim: Woche für Woche verwandelt sich die Bernauer FRAKIMA-Werkstatt in einen lebendigen Schöpfungsraum.
In den vergangenen Monaten sind dort kleine und große Kreative in gleich fünfzehn Kursen einer tiefgründigen Frage nachgegangen: Welche Spuren hinterlassen wir? Die visuelle Antwort darauf entfaltet sich vom 30. Mai bis zum 20. Juni in den historischen Mauern des Kantorhauses in der Tuchmacherstraße 13.
Am Samstag, dem 30. Mai, öffnet sich um 11 Uhr der Vorhang für diese facettenreiche Werkschau. Während die samtigen Klänge von Gaetan Fournet-Fayas’ Saxofon den Raum füllen, können Besucher auf Spurensuche gehen. Drei Wochen lang kreuzen sich hier Pfade aus fein geformter Keramik, expressiver Malerei, filigranen Zeichnungen, freier Kunst und weichem Filz.
„Wir alle folgen und hinterlassen Spuren, in Gedanken, Begegnungen und Bildern. Manche entstehen bewusst, andere flüchtig, doch jede von ihnen erzählt etwas über uns“, beschreibt Werkstatt-Leiterin Anja Schreier die Essenz der fünften Gemeinschaftsausstellung. Welchen Abdruck die FRAKIMA-Kurse in der Welt hinterlassen, wird hier eindrucksvoll sichtbar.
Kantorhaus Bernau
Tuchmacherstraße 13
16321 Bernau bei Berlin
Öffnungszeiten
Dienstags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr
Donnerstags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr
Ein Überlebenskünstler aus Fachwerk: Das Bernauer Kantorhaus
Es hat die Jahrhunderte überdauert, Kriege überstanden und stand doch kurz vor dem Untergang: das historische Kantorhaus in Bernau.
Errichtet in den Jahren 1582/83 durch die sogenannten Kastenherren und kurz darauf der Kirche gestiftet, blickt das denkmalgeschützte Juwel auf eine bewegte Geschichte zurück. Einst schlug hier das musikalische Herz der Stadt, als es den Kantoren, Organisten und deren Witwen als Heimstatt diente.
Über die Jahrhunderte hinweg wurde das Gebäude immer wieder umgebaut und den Epochen angepasst.
Doch die dunkelste Stunde drohte dem Fachwerkhaus in der jüngeren Vergangenheit: Während des radikalen DDR-„Flächenabrisses“, der weite Teile der Bernauer Innenstadt unwiederbringlich verschluckte, schien das Schicksal des Hauses besiegelt. Wie durch ein Wunder entging es jedoch den Abrissbaggern und wurde Anfang der 1980er- Jahre aufwendig gerettet. Fortan zog wieder Leben ein: Für Jahrzehnte fand hier die Kreismusikschule ihr kreatives Domizil.
Nachdem das Haus schließlich zwei Jahre lang leerstand und zu verfallen drohte, bewies die Stadt Bernau Mut zum Denkmalschutz: Sie erwarb das historische Objekt für den symbolischen Preis von nur einem Euro. Mit einer Investition von insgesamt 718.000 Euro – unterstützt durch 271.000 Euro aus dem Förderprogramm „Aktive Stadtzentren“ – wurde dem damals 438 Jahre alten Kantorhaus in einer aufwendigen Sanierung neues Leben eingehaucht. Heute erstrahlt die historische Schönheit wieder in altem, neuem Glanz.
Zum Tag des offenen Denkmals im September 2021 wurde dann die Wiedereröffnung gefeiert. Heute lädt das geschichtsträchtige Gebäude zu kleineren Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen ein.

