Nitrat im Brunnenwasser: Bernauer Messwerte offenbaren Lücken in der Düngepolitik
VSR-Gewässerschutz e.V.
Bernau / Barnim: Eine Messaktion des VSR-Gewässerschutzes auf dem Marktplatz in Bernau zeigt deutliche Spuren der Versäumnisse in der deutschen Düngepolitik.
Am Labormobil gaben Anfang August 2026 59 Bürgerinnen und Bürger Proben aus ihren privaten Gartenbrunnen ab. Die gemeinnützige Organisation analysierte das Wasser, um den Teilnehmenden maßgeschneiderte Gutachten zur Nutzung zu übermitteln und gleichzeitig wertvolles Trinkwasser zu sparen. Die anschließende regionale Auswertung für den Kreis Barnim macht jedoch ein anhaltendes Umweltproblem sichtbar.
Wie die Ergebnisse zeigen, verfehlen die ständigen Anpassungen der Düngeverordnungen ihr Ziel. In jeder achten untersuchten Probe aus privat genutzten Brunnen lag die Nitratkonzentration über dem EU-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter (mg/l). Dieser Schwellenwert ist seit der Verabschiedung der EU-Nitratrichtlinie im Jahr 1991 maßgeblich. Besonders auffällige Werte ermittelte die Organisation in Bernau (72 mg/l), Birkholzaue (69 mg/l), Ladeburg (56 mg/l), Marienwerder-Ruhlsdorf (55 mg/l) und Rehberge (51 mg/l).
Nach Einschätzung des Projekts fehlt den landwirtschaftlichen Betrieben seit Jahrzehnten die rechtliche Planungssicherheit, um gezielt gegen die Eutrophierung und Grundwasserbelastung vorzugehen. Die Gesetzgebung der vergangenen Jahre wirkte vielfach wie der Versuch, drohende Strafen des Europäischen Gerichtshofs abzuwenden, anstatt tragfähige Umweltkonzepte umzusetzen.
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. Weil die Kriterien zur Ausweisung sogenannter „Roter Gebiete“ mit strengeren Auflagen als zu ungenau eingestuft wurden, hoben die Bundesländer die Ausweisungen vorerst auf. Damit fielen auch die gezielten Schutzauflagen in den betroffenen Arealen weg. Der VSR-Gewässerschutz mahnt hier eine zügige und rechtssichere Nachbesserung an, um weiteren Schadstoffeintragsrisiken vorzubeugen.
Da Ackerflächen rund 79 Prozent der Agrarfläche im Kreis Barnim ausmachen, ist das Auswaschungsrisiko im Vergleich zu durchgängig begrüntem Grünland hoch – besonders auf brachliegenden Feldern im Winter. Um das Grundwasser wirksam zu schützen, greift die bloße Reduktion von Düngemengen zu kurz. Der VSR-Gewässerschutz plädiert daher für ein Bündel an pflanzenbaulichen Maßnahmen:
- Verpflichtender Zwischenfruchtanbau: Der gezielte Anbau von Zwischenfrüchten bindet verbleibenden Stickstoff im Boden und schützt ihn vor der Auswaschung durch Regen.
- Lückenlose Bodenbedeckung: Brachliegende Felder im Winter sollen vollständig vermieden werden.
- Agroforstsysteme: Die Verknüpfung von Gehölzen und landwirtschaftlicher Nutzung unterstützt die Nährstoffaufnahme in tieferen Bodenschichten.
Für Interessierte, die den Vor-Ort-Termin verpasst haben, stellt die Organisation die regionalen Auswertungen online bereit. Brunnenbesitzer haben zudem die Möglichkeit, noch bis Ende November Wasserproben auf dem Postweg einzusenden.
Ausführliche Informationen zur Situation im Kreis Barnim sowie Hinweise zum Postversand von Wasserproben finden Sie unter vsr-gewaesserschutz.de/regionales/brandenburg-berlin/kreis-barnim/brunnen.
Über den VSR-Gewässerschutz
Der VSR-Gewässerschutz wurde 1980 als Zusammenschluss verschiedener Bürgerinitiativen gegründet und engagiert sich für den Schutz des Grundwassers und der Gewässer. Die gemeinnützige Organisation führt eigene Untersuchungen durch. Die Beprobung von Flüssen und Bächen kann der VSR-Gewässerschutz selbst durchführen. Bei den Wasserproben vom Grundwasser ist der Verein jedoch auf die Mithilfe von Brunnenbesitzern angewiesen.
Verwendete Quelle(n): VSR-Gewässerschutz e.V.