Nachgeholter Christopher Street Day zog heute durch Bernau
„Mehr Glitzer, weniger Hass. L(i)eb doch, wie du willst“
Bernau / Barnim: Bei strahlendem Sonnenschein und rund 18 Grad zog am heutigen Samstag der nachgeholte Christopher Street Day (CSD) durch Bernau bei Berlin.
Zahlreiche Menschen versammelten sich, um lautstark für rechtliche Gleichstellung sowie gesellschaftliche Akzeptanz zu demonstrieren.
Unter starker Polizeibegleitung und zahlreichen Absperrungen startete der Demonstrationszug am Bahnhofsvorplatz und bewegte sich durch die Stadt in Richtung des Jugendtreffs DOSTO. Das diesjährige Motto der queeren Community: „Mehr Glitzer, weniger Hass. L(i)eb doch, wie du willst“, gab dabei den Rahmen der Veranstaltung vor. Im Kern ging es den Teilnehmenden darum, ein sichtbares Zeichen gegen Hasskriminalität zu setzen.
Wie die Veranstalter informierten, konzentrierten sich die konkreten Forderungen in diesem Jahr auf den barrierefreien Zugang zu medizinischer Versorgung und den Ausbau sowie Erhalt von Schutzräumen. Zudem fordert die Community einen klaren Maßnahmenplan gegen Queerfeindlichkeit an Schulen, am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum. Die Veranstalter stützen ihre Forderungen hierbei auf aktuelle Daten der Fachstelle „Andersartig“: Im vergangenen Jahr wurden demnach in Brandenburg insgesamt 589 queerfeindliche Vorfälle erfasst – ein Anstieg im Vergleich zu den rund 500 Fällen des Vorjahres.
Eine Sprechperson des Bernauer CSD-Organisationsteams verdeutlichte im Vorfeld der heutigen Bernauer Kundgebung den Hintergrund der Demonstration und verwies dabei auch auf vergangene Übergriffe, wie das Attentat auf den Berliner CSD: „Die steigende Hasskriminalität führt uns vor Augen, wie ernst die Lage ist. Unser CSD setzt hier ein klares Zeichen: Wir demonstrieren für Rechte, Schutzräume und Gleichstellung im Alltag.“ Für die queere Gemeinschaft seien Sichtbarkeit und Solidarität überlebenswichtig. Man werde sich nicht verdrängen lassen und stehe füreinander ein“, hieß es weiter.
Am Rande des Demonstrationszuges formierte sich eine kleinere, zuvor angemeldete Gegenkundgebung. Diese blieb jedoch ohne nennenswerten Einfluss auf das Geschehen und störte den Ablauf des CSD nach aktuellen Erkenntnissen von Bernau LIVE nicht.
Im Anschluss an den Umzug verlagert sich das Geschehen in den Jugendtreff Dosto in der Breitscheidstraße. Dort wird den Besucherinnen und Besuchern noch bis 17:00 Uhr in Kooperation mit der Initiative „Schöner leben ohne Nazis“ ein Kulturprogramm geboten.
Den inhaltlichen Abschluss des Tages wird am Abend das Filmfestival „Willkommen Zuhause“ bilden. Ab 18:00 Uhr wird dort der Film „Luisa“ gezeigt. Als erster deutscher Spielfilm stellt er eine Protagonistin mit Behinderung in den Mittelpunkt. Der Film thematisiert Selbstbestimmung, den Umgang mit Grenzverletzungen und das Aufbrechen von Schweigestrukturen in Wohneinrichtungen und gilt als Beispiel für inklusives Filmemachen.
Sachstand: 26. September, 14 Uhr.