Emotionaler Abschied für die Geburtshilfe am Immanuel Klinikum Bernau
Danke für 116 Jahre Geburtshilfe
Bernau / Barnim: Es war ein Freitagnachmittag, der sich für viele Menschen in Bernau und dem gesamten Barnim tief in das emotionale Gedächtnis einbrennen wird.
Mit einer bewegenden Kundgebung zogen über hundert Mütter, Väter, Kinder und in Kinderwagen schlafende Babys sowie das Team der Geburtshilfe durch die Bernauer Innenstadt. Ihr Ziel: das Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg. Ihr Anliegen: ein leises, aber umso kraftvolleres „Danke“ – und ein lauter Protest gegen das Ende einer Ära.
Für stolze 116 Jahre war die Geburtshilfe in Bernau der Ort, an dem das Leben begann. Generationen von Barnimern erblickten hier das Licht der Welt. Dass dieses Kapitel nun geschlossen wird, trieb die Familien auf die Straße. Es war ein Marsch, der von tiefer Dankbarkeit für die aufopferungsvolle Arbeit des Gynäkologie- und Geburtshilfe-Teams geprägt war. Gleichzeitig war es ein bitterer Protest gegen die aktuelle Gesundheitsreform von Bund und Land, die solche schmerzhaften Einschnitte in der regionalen Versorgung erst unumgänglich machen.
Als der Zug der Familien am Klinikum ankam, wurde aus der abstrakten gesundheitspolitischen Entscheidung plötzlich greifbare, menschliche Wehmut. Es war ein Moment des Innehaltens, der zeigte, wie eng die Bindung zwischen dem Klinikpersonal und den Familien der Region wirklich ist. Jede überreichte Blume war ein Zeichen der innigen Wertschätzung für jene Frauen und Klinikmitarbeiter, die in den verletzlichsten und schönsten Momenten des Lebens stets an der Seite der Eltern standen.
Die Realität hinter diesem herzzerreißenden Abschied ist jedoch nüchtern und hart. Wie die Krankenhausleitung mitteilte, habe man jahrelang unermüdlich versucht, den Standort personell, fachlich und räumlich zu stärken. Doch am Ende seien schlichtweg alle Optionen ausgeschöpft gewesen. Die geburtshilfliche und gynäkologische Versorgung der Region müssen künftig umliegende Kliniken abfedern. Das Immanuel Klinikum, das auch als Universitätsklinikum agiert, wird seinen Schwerpunkt im Zuge einer Neuausrichtung künftig gezielt auf andere Kernkompetenzen verlagern und die Bereiche Herzmedizin, Chirurgie sowie Innere Medizin stärken.
Was in Bernau bleibt, ist der Verlust eines Stücks regionaler Identität. Die medizinische Versorgung mag durch andere Krankenhäuser sichergestellt werden, doch der vertraute Anlaufpunkt für werdende Eltern in der direkten Nachbarschaft ist nun Geschichte. Tränen der Schwestern und das Lachen der vielen Kinder, die zur Kundgebung kamen, sind das schönste Vermächtnis aus 116 Jahren Geburtshilfe.
Die Türen der Station schließen sich, doch die unzähligen Leben, die hier ihren Anfang nahmen, tragen die Bernauer Geschichte weiter.