Bernau / Barnim: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie steht auch im Landkreis Barnim vor neuen Herausforderungen.
Aktuell stehen im Kreis für rund 2.380 Kinder unter drei Jahren Kitaplätze zur Verfügung. Das entspricht einer Betreuungsquote von etwa 60 Prozent. Vor diesem Hintergrund äußert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) deutliche Bedenken hinsichtlich der von der Bundesregierung geplanten Reform des Arbeitszeitgesetzes.
Ein zentraler Kritikpunkt der Gewerkschaft ist die mögliche Flexibilisierung oder Abschaffung des starren Acht-Stunden-Tages. Sebastian Riesner, Geschäftsführer der NGG Berlin-Brandenburg, warnt davor, dass eine Ausweitung der täglichen Arbeitszeit die Organisation der Kinderbetreuung massiv erschweren könnte. Öffnungszeiten von Kindertagesstätten und Arbeitszeiten seien schon jetzt häufig eng miteinander taktet. Sollten Arbeitstage künftig flexibel auf 10 oder bis zu 12 Stunden verlängert werden können, fehle Eltern die notwendige Planungssicherheit für das rechtzeitige Abholen der Kinder.
Neben der Kinderbetreuung sieht die NGG auch bei der häuslichen Pflege von Angehörigen Probleme. Feste Absprachen, etwa mit Pflegediensten, ließen sich mit schwankenden oder ungewöhnlich langen Arbeitszeiten kaum vereinbaren.
Die Gewerkschaft verweist hierzu auf Daten des DGB-Index „Gute Arbeit“. Demnach geben bundesweit 51 Prozent der befragten Frauen und 41 Prozent der Männer an, regelmäßig Betreuungs- oder Pflegeaufgaben im privaten Umfeld zu übernehmen. Schon unter den aktuellen Bedingungen berichte etwa ein Fünftel aller Beschäftigten von Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf; bei Alleinerziehenden liege dieser Wert sogar bei 42 Prozent. Eine Ausweitung der Arbeitszeiten treffe daher primär Sorgearbeitende.
Arbeitskräftemangel und Gesundheitsschutz
Aus Sicht der NGG ist die geplante Gesetzesänderung auch mit Blick auf den Fachkräftemangel im Gastgewerbe und der Lebensmittelindustrie der falsche Weg. Dem Personalmangel müsse vielmehr mit besseren Arbeitsbedingungen und einem Ausbau der Kinderbetreuung begegnet werden statt mit längeren Einsatzzeiten. Zudem verweist die Gewerkschaft auf gesundheitliche Risiken: Untersuchungen zeigten, dass das Unfallrisiko nach acht Arbeitsstunden deutlich ansteige. Weiterhin begünstigten überlange Arbeitstage möglicherweise Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erschöpfungszustände.
Mehr Informationen unter: https://www.ngg.net/themen/mit-macht-fuer-die-8
Unsere Quelle: Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Region Berlin-Brandenburg. Titelbild: NGG | Nils Hillebrand.