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TV Tipp: „Honecker und der Pastor“ – Geschichte aus Lobetal

Heute, 20:15 Uhr im ZDF

Nachrichten aus Deutschland und der Welt (Testbetrieb)

Bernau (Lobetal): Mit dem „Fernsehfilm der Woche“ zeigt das ZDF am heutigen Montagabend um 20:15 Uhr den Spielfilm „Honecker und der Pastor“.

Unter der Regie von Jan Josef Liefers geht es hier um die Zuflucht des einstigen gestürzten Generalsekretärs des ZK der SED und Vorsitzenden des Staatsrats der DDR, Erich Honecker und seine Frau Margot Honecker nach Bernau-Lobetal. 

Eine interessante Zusammenfassung um die damaligen Ereignisse in Lobetal haben wir von Wolfgang Kern, Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, erhalten:

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Liefers Film spielt in Lobetal, wo sich Honecker vom 30. Januar bis 3. April 1990 im Pfarrhaus von Uwe Holmer aufhielt. Um sich einen Eindruck von der Location zu verschaffen, besuchten Jan Josef Liefers und der Drehbuchautor bereits im März 2019 Lobetal. Ein Jahr später befragte er Zeitzeugen, ließ sich Archivmaterial zeigen. Wichtig war den Filmemachern ein Rundgang durch das Pfarrhaus, dem Ort des Geschehens. Gesichtete Dokumente aus dem Archiv bezeugten Einzelheiten des Aufenthaltes Honeckers und zeichnen ein differenziertes Bild der weit auseinandergehenden Meinungen zur Aufnahme.

Der Lobetaler Siegbert Keller ist Zeitzeuge und bis heute mit Pastor Uwe Holmer eng verbunden.

Siegbert Keller war ab 1986 Fachbereichsleiter Bau der Hoffnungstaler Anstalten, später auch Leiter Bereich Technik. Pastor Uwe Holmer hat ihn nach Lobetal geholt. Siegbert Keller galt als erfahrener und erfolgreicher Experte im Bau von Talsperren in Thüringen und Sachsen. Und er war Christ. 1984 nahm Pastor Holmer Kontakt mit ihm auf. Anderthalb Jahre später zog er und seine Familie nach Lobetal um. Er ist unmittelbarer Zeitzeuge der Ereignisse von Anfang 1990.

Bernau LIVE - Dein Stadtmagazin für Bernau bei BerlinJan Josef Liefers spricht mit Zeitzeuge Siegbert Keller

Zu Pastor Holmer entwickelte Keller ein persönliches Verhältnis geprägt von großer Wertschätzung. Sie hatten eine große Übereinstimmung in Glaubensfragen.

„Meine erste Information zur Aufnahme von Erich Honecker erhielt ich am 29. Januar 1990. Pastor Holmer lud zu einer außerordentlichen Direktionssitzung um 9 Uhr ein“, Holmer musste da schon von Bischof Forck angefragt worden sein, ob Lobetal eine Möglichkeit zur Aufnahme des Ehepaar Honeckers sah. Darüber informierte Pastor Holmer. „Die Kirchenleitung hat um Aufnahme von Ehepaar Homer gebeten“, leitete Holmer die Sitzung ein. „Das war für uns alle wie ein Paukenschlag gewesen“, erinnert sich Herr Keller. Der Pastor erläuterte die augenblickliche Situation des Ehepaars. Sie seien obdachlos. Keine Institution sei bereit sie aufzunehmen. Außerdem stehen sie unter Lebensgefahr. Siegbert Keller wusste: Wohnraum gab es auch in Lobetal nicht. Keine Wohnung stand leer, auch die Pflegeheime seien voll ausgelastet. Außerdem könne man nicht pflegebedürftige Menschen abweisen, damit das Ehepaar Honecker Aufnahme fände. „Ich erinnere mich noch wie heute, als Holmer dann sagte: „Meine Familie ist bereit, das Ehepaar Honecker aufzunehmen.“ Jeder sei gefordert das Seinige beizutragen, um dem Auftrag Lobetals gerecht zu werden: „Dass ihr mir Niemanden abweist.“ Dieses Credo hat Friedrich v. Bodelschwingh den noch damals Hoffnungstaler Anstalten ins Stammbuch geschrieben.

Danach informierte Pastor Uwe Holmer die Einrichtungsleiter und warb um Verständnis für diesen Schritt. Der Leiter des Volkspolizeikreisamtes in Bernau, Uwe Westen, war zu dem Zeitpunkt bereits informiert. Die Ankunft des Ehepaar Honecker war offiziell für den 30. Januar angekündigt.

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Allen sei klar gewesen, dass dies mit Risiken verbunden war. Unruhe und Ausschreitungen könnten drohen. Und wie würden die Menschen, die in Lobetaler Einrichtungen betreut werden, reagieren? Würden sie die Aufregung verkraften?

Nach der Direktionssitzung bat Uwe Holmer Siegbert Keller noch zwei Minuten zurückzubleiben. „Herr Keller, ich habe eine Bitte“, sagte er, „bitte seien Sie heute Abend vor meinem Haus. Das Ehepaar kommt gegen 19 Uhr. Halten Sie die Augen offen. Holmer verabschiedete Keller mit den Worten, die sich bis heute in sein Gedächtnis eingebrannt haben: „Wir wollen nicht nur christlich reden, sondern auch christlich handeln.“

Ausstrahlungen

ZDF Montag, 21. März 2022, 20.15 Uhr

ZDF Mediathek, seit 14. März 2022

Bernau LIVE - Dein Stadtmagazin für Bernau bei BerlinZeitzeuge Siegbert Keller vor dem Pfarrhaus, in dem das Ehepaar Honecker Aufnahme fand

Verwendet Quellen: Hoffnungstaler Stiftung Lobetal / Titelbild: Archivmitarbeiter Friedemann Schmidt hütet das Archivmaterial. Das Schild war 1990 in Rüdnitz aufgestellt.

 

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