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Tafel Bernau in Not – Antrag zur Hilfe vorerst abgelehnt – Geholfen wird dennoch

Aus der SVV vom 30. Juni 2022

Bernau / Barnim: Im Rahmen der gestrigen Stadtverordnetenversammlung wurde neben vielen anderen Themen auch über die in Not geratene Bernauer Tafel diskutiert.

Grund hierfür war ein eingereichter Antrag von BVB / FREIE WÄHLER Bernau, allen voran Peter Vida, zur schnellen finanziellen und weiteren Unterstützung des Vereins. Vida betonte in seiner Antragstellung die Wichtigkeit der Bernauer Tafel als soziale Unterstützung für Menschen, die sich den Gang in den Supermarkt nicht mehr leisten können. Zudem leiste der Verein mit der Verteilung von Lebensmitteln einen wichtigen Beitrag gegen die Verschwendung von Lebensmitteln.

Mehr als 1.000 Menschen versorgt die Bernauer Tafel in den Landkreisen Barnim und Märkisch Oderland mit Lebensmitteln für einen deutlich geringeren Preis als im Supermarkt. Bereits seit 20 Jahren gehört der Verein, der hauptsächlich durch ca. 100 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer unterstützt wird, zum festen Stadtbild Bernaus. Doch nun steht die Tafel Bernau vor großen finanziellen Schwierigkeiten.

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Bereits im vergangenen Jahr wurde der Mietvertrag des jetzigen Standortes nach 20 Jahren nicht mehr verlängert. Um die Tafel in Bernau zu erhalten, sprang die Stadt mit dem Bau eines neuen Gebäudes in der Oranienburger Straße ein. Der ca. 450 Quadratmeter große Neubau für die Tafel Bernau e. V. bietet Platz für eine Küche, eine Kantine, einen Laden, ein Büro, Besucher- und Personal WCs sowie Kühlzellen zum Lagern der gespendeten Lebensmittel. Die Stadt investiert hierbei 1 Million Euro in den neuen Standort. Allerdings wird der Bau laut Bürgermeister André Stahl erst im November 2022 fertiggestellt. Die Tafel muss jedoch bis zum 1. September 2022 das Gelände an der Rüdnitzer Chaussee geräumt haben, sonst droht eine kostspielige Räumungsklage.

Doch wohin in der Übergangszeit? Der Umzug, die Anmietung von Räumlichkeiten zur Überbrückung der 3 Monate bzw. die Anmietung von Containern kosten Geld. Sehr viel Geld, welches die Tafel so oder so nicht aufbringen kann.

Ein Zustand der für die Bernauer Fraktion BVB / FREIE WÄHLER nicht akzeptabel ist. Sowohl beim Land Brandenburg als auch im Kreistag Barnim wurde um Unterstützung für den angeschlagenen Verein gebeten. Während das Land Brandenburg erst gar nicht auf die Forderung einging, befasste man sich im Kreistag intensiv mit dem Problem. Allerdings wurde der Antrag auf die nächste Sitzung vertagt, da weder ein Finanzkonzept der Bernauer Tafel vorlag noch alle Unterlagen zur Prüfung des Antrages eingegangen waren.

Ähnlich sahen es auch die Bernauer Stadtverordneten in der gestrigen Sitzung. „Die Tafel als Verein ist zweifelsfrei eine wichtige soziale Einrichtung, denn Armut macht auch um Bernau keinen Bogen.“, so Dagmar Enkelmann (Die LINKE) „Aber die Leitung des Vereins ist eine Katastrophe, die finanzielle Situation ist undurchsichtig, die Vermischung mit der Barnimer Sozialwerk GmbH unübersichtlich und die Verzögerung zum Bau des alternativen Standortes eindeutig vom Vorstand der Bernauer Tafel verschuldet. All diese Punkte führen dazu, dass Die LINKE kein Vertrauen mehr in die Führung des Vereins habe. Eine Lösung kann also nicht Geld sein, dass unter Umständen ohne klare Transparenz fließt.“ so Enkelmann weiter

Peter Vida betonte noch einmal die Wichtigkeit der Einrichtung, die jährlich immerhin etwa 300 Tonnen Lebensmittel umschlägt.

Thomas Werner (BfB) wies darauf hin, dass man bei allem Respekt für die Arbeit der ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, nicht über einen Antrag diskutieren könne, wenn der Verein nicht seine finanzielle Situation offenlege. Bereits mehrmals sei der Verein darauf hingewiesen worden, Unterlagen einzureichen, doch bis heute seien diese nur unvollständig angekommen.

Auch Bürgermeister André Stahl ergriff in der Diskussion das Wort. Er versicherte den Anwesenden, dass die Bernauer Stadtverwaltung alles versuchen werde, eine Lebensmittelausgabe für Bedürftige in den Übergangsmonaten aufrecht zu erhalten. Ob dies über den Verein der Bernauer Tafel oder einer anderen Organisation oder gar einem Dienstleister geschehe, könne er zurzeit nicht sagen. Zudem betonte Stahl, dass er nicht versprechen könne, dass dieses Unterfangen gelingt, da diverse Auflagen und Zertifizierungen an der Lagerung und Verteilung von Lebensmitteln gebunden sind.

Stahl zeigte sich zudem ebenfalls von der Leitung des Vereins enttäuscht. Dass sich die Situation zuspitze, sei nicht erst seit ein paar Wochen bekannt. Bereits mit dem Auslaufen des Mietvertrages hätte eine Übergangslösung erarbeitet werden müssen, hierzu gehört unter anderem ein Konzept, wie die Übergangslösung aussehen könnte sowie ein Finanzierungsplan der darüber Auskunft gibt, welche Gelder für was benötigt werden. Sowohl der Finanzierungsplan als auch das Übergangskonzept seinen bis heute nicht im Rathaus angekommen.

Bis zur nächsten Stadtverordnetenversammlung werde die Stadtverwaltung intensiv an einem Lösungsweg arbeiten. Den Antrag zur Unterstützung der Tafel hingegen, könne auch Stahl unter den gegebenen Umständen nicht befürworten.

Und so wurde der Antrag der Fraktion BVB / FREIE WÄHLER Bernau zur Unterstützung der in Not geratenen Tafel, mehrheitlich abgelehnt.

Hier geht es zum Antrag

 

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