
Bernau / Wandlitz: Am heutigen Mittwochabend, dem 21. Januar 2026, wurde die Feuerwehr zu einem Großeinsatz auf das geschichtsträchtige Bogensee-Areal in Wandlitz gerufen.
Gegen 21:00 Uhr meldeten erste Einsatzkräfte einen Brand im Hauptgebäude des Komplexes. Trotz des schnellen Eingreifens weitete sich das Feuer von der Rückseite her zu einem Dachstuhl-Vollbrand aus. Zahlreiche Feuerwehren aus der gesamten Region sind derzeit bei etwa –5 Grad im Einsatz, um mit allen Kräften die Flammen einzudämmen. Zum jetzigen Zeitpunkt (22:55 Uhr) dauern die Löscharbeiten noch mit unverminderter Intensität an. So wie es aktuell aussieht, scheint das Gebäude leider verloren zu sein. Auch der große Saal steht lichterloh in Flammen.
Wie das Feuer entstehen konnte, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch vollkommen unklar. Im Einsatz sind, neben Polizei und mehreren Rettungswagen, etliche Feuerwehrleute u.a. aus Wandlitz, Klosterfelde, Zerpenschleuse, Bernau, Birkholz, Basdorf oder Schönwalde.
Letzter Sachstand: Bernau LIVE, 21. Januar 2026, 23:15 Uhr.
Update 0:00 Uhr: Hauptgebäude am Bogensee brennt in voller Ausdehnung
Die Lage auf dem Bogensee-Areal hat sich um Mitternacht dramatisch zugespitzt. Das gesamte Hauptgebäude steht mittlerweile in Vollbrand. Die Flammen haben den großen Saal, die Bühne sowie die ehemaligen Sprecherkabinen vollständig erfasst. Trotz eines massiven Aufgebots an Einsatzkräften erweisen sich die Löschwasserreserven angesichts der enormen Brandintensität als unzureichend. Das Feuer schlägt ungehindert vom Erdgeschoss bis durch den Dachstuhl. Ein Stück Geschichte verbrennt – man ist den Tränen nahe!
Über das Areal
Das am Bogensee gelegene Areal trägt die schwere Hypothek zweier Diktaturen. Ursprünglich diente das Grundstück während der NS-Zeit als repräsentativer Landsitz für Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr die Liegenschaft eine tiefgreifende Umgestaltung: Ab 1946 entstand hier durch zahlreiche Neubauten – darunter umfangreiche Seminar-, Gemeinschafts- und Internatseinrichtungen – die FDJ-Hochschule „Wilhelm Pieck“, die fortan als zentrale ideologische Kaderschmiede der DDR fungierte.
Nach der Wiedervereinigung nutzte der „Internationale Bund für Sozialarbeit“ (IB) das Gelände noch bis 1998. Seither scheiterten alle Pläne, darunter auch die Etablierung eines Bildungscampus, an der Realisierung. Bis heute konnte keine dauerhafte und sinnstiftende Nutzung für das Areal gefunden werden.
Im März 2024 intervenierten der Landrat des Landkreises Barnim und der Bürgermeister der Gemeinde Wandlitz entschieden gegen die von der Eigentümerin, dem Land Berlin, bekannt gegebenen möglichen Abrisstermine für das Bogensee-Areal. Sie forderten nachdrücklich ein Abrissmoratorium, um den Erhalt des historisch bedeutsamen Gebäudeensembles zu sichern und Zeit für die Entwicklung einer tragfähigen Zukunftsperspektive zu gewinnen. Die lokale Politik unterstrich damit die herausragende geschichtliche und architektonische Bedeutung der Liegenschaft.
Ende Oktober des vergangenen Jahres kam es zu einer Nutzungsüberlassung des Geländes durch das Land Berlin an die Gemeinde Wandlitz.
Mit dem erfolgten Vertragsabschluss bekam die Gemeinde Wandlitz die Möglichkeit, die Außenflächen und Gebäude für Führungen, Besichtigungen und Veranstaltungen zu nutzen und das Gelände somit schrittweise wieder zugänglich zu machen.
Eine von der Gemeinde Wandlitz in Kooperation mit dem Landkreis Barnim finanzierte Perspektivstudie, die mit einer Förderung in Höhe von 590.000 Euro unterstützt wird, soll die architektonischen und städtebaulichen Potenziale des denkmalgeschützten Ensembles untersuchen und tragfähige Nutzungskonzepte erarbeiten. Die Bemühungen um eine wirtschaftliche Nachnutzung waren in der Vergangenheit mehrfach gescheitert und Gerüchte über einen möglichen Abriss machten die Runde.
Trotz der Überlassung trägt das Land Berlin weiterhin die laufenden Bewirtschaftungskosten in Höhe von jährlich 200.000 Euro. Im Gegenzug verpflichtet sich die Gemeinde Wandlitz, die operative Bewirtschaftung des Areals zu übernehmen, wozu auch der Abschluss neuer Verträge mit Versorgern und Dienstleistern gehört. Dieser Schritt markiert einen wichtigen, lange geforderten Versuch, das „unbequeme Erbe“ des Bogensees einer sinnvollen, dem Ort angemessenen Nutzung zuzuführen.
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