
Bernau / Barnim: Am gestrigen 27. Januar versammelten sich zahlreiche Bernauerinnen und Bernauer, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken.
Dem gemeinsamen Aufruf der Stadt folgend, verwandelten Blumen und Kränze die städtischen Mahnmale in Orte der lebendigen Erinnerung.
Besonders in Schönow hat das Innehalten am 27. Januar tiefe Wurzeln. Pünktlich um 10 Uhr kamen rund ein Dutzend Anwohner am Ehrenmal an der Kirche zusammen – unter ihnen Ortsvorsteher Alexander Morzinek und Bürgermeister André Stahl. Es ist eine Tradition, die über das reine Erinnern hinausgeht: In Schönow ehrt man nicht nur die Opfer der Gewaltherrschaft, sondern verneigt sich explizit vor jenen Mutigen, die im Widerstand gegen das Regime ihr Leben ließen.
„Gerade in Zeiten wie diesen, in denen Gewalt immer häufiger als Mittel politischer Auseinandersetzung eingesetzt wird, müssen wir entschlossen an einer standhaften Demokratie festhalten. Eine Demokratie, die weder ausgehöhlt noch infrage gestellt werden darf“, so André Stahl.
Rund eine Stunde später verlagerte sich das Zentrum des Gedenkens an den Bahnhofsvorplatz. Unter den Augen von etwa 45 Anwesenden setzten Musik und mahnende Worte den Rahmen für die Zeremonie am Mahnmal für die Opfer des Faschismus. Im Namen der Stadt sprach die Gleichstellungsbeauftragte Fanny Behr und schlug dabei eine wichtige Brücke in die Gegenwart.
In ihrer Rede mahnte sie an, dass Erinnerung kein Selbstzweck sei: „Wir trauern um die Bernauer Bürgerinnen und Bürger, die auch in unserer Stadt diskriminiert, verfolgt, vertrieben oder deportiert wurden“, so Behr. Das Gedenken an die dunklen Kapitel der eigenen Stadtgeschichte sei die Voraussetzung, um die Herausforderungen von heute zu meistern. Nur wer sich der Wahrheit ohne Beschönigung stelle, bleibe wachsam gegenüber neuen Gefahren. Behr schloss mit einem eindringlichen Appell: Es gelte, jeder Form der Wiederholung aktiv entgegenzuwirken.
Den Abschluss des Gedenktages bildete in diesem Jahr der Ortsteil Lobetal. Hier kamen nach Angaben der Stadt Bernau um 13 Uhr mehr als 50 Bürgerinnen und Bürger am Gedenkstein der Kirche zusammen. Die hohe Beteiligung unterstrich die Bedeutung Lobetals als festen Bestandteil der Bernauer Erinnerungskultur. Mit diesem dritten Standort wurde die Landkarte des Gedenkens an diesem 27. Januar um einen weiteren zentralen Ort der Stille und der Mahnung vervollständigt.
Genutzte Quelle: Stadt Bernau bei Berlin.
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