
Bernau / Wandlitz: Wie Bernau LIVE heute Nacht bereits berichtete, kam es am gestrigen Abend auf dem Gelände des Bogensee-Areals zu einem Großbrand.
Betroffen war das Lektionsgebäude der ehemaligen FDJ-Hochschule. Wie die Polizei informierte, konnten die Löscharbeiten am frühen Donnerstagnachmittag vorerst beendet werden. Im Einsatz waren unter widrigen Umständen und nach Angaben der Gemeinde Wandlitz etwa 80 Einsatzkräfte aus den Wandlitzer Ortswehren, zahlreiche benachbarte Wehren wie u.a. auch aus Bernau sowie Rettungsdienste und Polizei. Verletzt wurde zum Glück niemand.
Nach dem verheerenden Feuer steht die Gemeinde Wandlitz in engem Kontakt mit dem Eigentümer – dem Land Berlin – sowie den zuständigen Sicherheitsbehörden. Ersten Einschätzungen zufolge wurden der große Saal, die Bühne und die Sprecherkabinen vollständig zerstört. Die Seitenflügel des Gebäudes konnten nach Angaben der Gemeinde Wandlitz vor den Flammen gerettet werden. Zur genauen Brandursache hat die Polizei bereits Ermittlungen aufgenommen und mögliche Zeugen ausgemacht.
Während die Brandermittler noch nach der Ursache suchen, rückt in Wandlitz bereits eine grundsätzlichere Frage in den Fokus: Welche Folgen hat das Feuer für die Zukunft des Bogensee-Areals? Für die Gemeinde beginnt nun eine Phase der Neuorientierung im Umgang mit diesem historisch schwer belasteten, aber dennoch bedeutenden Ort.

Bürgermeister Oliver Borchert erklärt dazu: „Der Brand ist ein tiefer Einschnitt – für unsere Gemeinde und für alle, die sich seit rund zwei Jahren so intensiv für ein tragfähiges Zukunftsmodell dieses Ortes einsetzen. Das Areal steht sinnbildlich für ein schwieriges Kapitel deutscher Geschichte, aber auch für die Chance, Erinnerung, Bildung und gesellschaftliche Auseinandersetzung miteinander zu verbinden. Diese Chance ist durch das heutige Ereignis nicht beendet.“
Wandlitz’ Bürgermeister lässt trotz der aktuellen Situation keine Zweifel an der Strategie der Gemeinde: Der Brand sei kein Grund zur Resignation. Das Areal am Bogensee dürfe nicht sich selbst überlassen werden. Vielmehr bleibe es das erklärte Ziel, eine Lösung zu finden, die gleichermaßen transparent und denkmalgerecht ist. Dabei setzt die Verwaltung weiterhin auf den Schulterschluss – die Zukunft des Geländes soll gemeinsam mit dem Land Berlin, dem Landkreis Barnim, den Denkmalschutzbehörden und der Öffentlichkeit gestaltet werden.
„Für uns bedeutet dieses tragische Ereignis nicht das Ende, sondern einen Wendepunkt“, so der Bürgermeister. „Jetzt geht es darum, mit kühlem Kopf zu entscheiden, wie wir weiter vorgehen. Diese Verantwortung nehmen wir als Gemeinde sehr ernst. Sobald gesicherte Erkenntnisse zum Schadensumfang und der Brandursache vorliegen, wird die Gemeinde Wandlitz die Öffentlichkeit informieren.“
Dank an die Einsatzkräfte
In einer Mitteilung richtete der Rathauschef seinen ausdrücklichen Dank an die Einsatzkräfte:
„Mein besonderer Dank gilt den Feuerwehrfrauen und -männern, den Rettungsdiensten und der Polizei sowie den unterstützenden Wehren der Nachbarkommunen. Sie haben unter schwierigen Bedingungen und mit großem persönlichen Einsatz einen hervorragenden Job gemacht. Dass zumindest Teile des Gebäudes gesichert werden konnten, ist ihrem schnellen, professionellen und engagierten Handeln zu verdanken. Dieser Einsatz verdient höchste Anerkennung.“
Unser Bogensee-Beitrag von heute Nacht sowie Bilder von der Brandstelle.
Über das Bogensee-Areal
Das am Bogensee gelegene Areal trägt die schwere Hypothek zweier Diktaturen. Ursprünglich diente das Grundstück während der NS-Zeit als repräsentativer Landsitz für Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr die Liegenschaft eine tiefgreifende Umgestaltung: Ab 1946 entstand hier durch zahlreiche Neubauten – darunter umfangreiche Seminar-, Gemeinschafts- und Internatseinrichtungen – die FDJ-Hochschule „Wilhelm Pieck“, die fortan als zentrale ideologische Kaderschmiede der DDR fungierte.
Nach der Wiedervereinigung nutzte der „Internationale Bund für Sozialarbeit“ (IB) das Gelände noch bis 1998. Seither scheiterten alle Pläne, darunter auch die Etablierung eines Bildungscampus, an der Realisierung. Bis heute konnte keine dauerhafte und sinnstiftende Nutzung für das Areal gefunden werden.
Im März 2024 intervenierten der Landrat des Landkreises Barnim und der Bürgermeister der Gemeinde Wandlitz entschieden gegen die von der Eigentümerin, dem Land Berlin, bekannt gegebenen möglichen Abrisstermine für das Bogensee-Areal. Sie forderten nachdrücklich ein Abrissmoratorium, um den Erhalt des historisch bedeutsamen Gebäudeensembles zu sichern und Zeit für die Entwicklung einer tragfähigen Zukunftsperspektive zu gewinnen. Die lokale Politik unterstrich damit die herausragende geschichtliche und architektonische Bedeutung der Liegenschaft.
[ads2]Ende Oktober des vergangenen Jahres kam es zu einer Nutzungsüberlassung des Geländes durch das Land Berlin an die Gemeinde Wandlitz.
Mit dem erfolgten Vertragsabschluss bekam die Gemeinde Wandlitz die Möglichkeit, die Außenflächen und Gebäude für Führungen, Besichtigungen und Veranstaltungen zu nutzen und das Gelände somit schrittweise wieder zugänglich zu machen.
Eine von der Gemeinde Wandlitz in Kooperation mit dem Landkreis Barnim finanzierte Perspektivstudie, die mit einer Förderung in Höhe von 590.000 Euro unterstützt wird, soll die architektonischen und städtebaulichen Potenziale des denkmalgeschützten Ensembles untersuchen und tragfähige Nutzungskonzepte erarbeiten. Die Bemühungen um eine wirtschaftliche Nachnutzung waren in der Vergangenheit mehrfach gescheitert und Gerüchte über einen möglichen Abriss machten die Runde.
Trotz der Überlassung trägt das Land Berlin weiterhin die laufenden Bewirtschaftungskosten in Höhe von jährlich 200.000 Euro. Im Gegenzug verpflichtet sich die Gemeinde Wandlitz, die operative Bewirtschaftung des Areals zu übernehmen, wozu auch der Abschluss neuer Verträge mit Versorgern und Dienstleistern gehört. Dieser Schritt markiert einen wichtigen, lange geforderten Versuch, das „unbequeme Erbe“ des Bogensees einer sinnvollen, dem Ort angemessenen Nutzung zuzuführen.
Unsere Quellen: Gemeinde Wandlitz, Landkreis Barnim, Polizeidirektion Ost, Bernau LIVE. Sachstand 15:30 Uhr.
Möchtest Du lieber zur Startseite wechseln?






