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Bernau sagt Danke: Othmar Nickel geht in den Schul – Ruhestand

Ein emotional-dankender Abschied

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Bernau / Barnim: Ein bewegender Freitagmorgen an der Tobias-Seiler-Oberschule: Während die Winterferien vor der Tür stehen, heißt es für einen ganz besonderen Kopf der Schule heute endgültig Abschied nehmen.

Nachdem es bereits am Donnerstag einen „offiziellen“ Rahmen mit Kolleginnen und Kollegen, der Familie sowie Bürgermeister und Landrat gegeben hatte, gehörte der heutige Morgen ganz den Schülerinnen und Schülern. Nach beeindruckenden 39 Jahren im Schuldienst tauscht Lehrer und Schulleiter Othmar Nickel die Kreide gegen den wohlverdienten Ruhestand. Ein emotionaler Schlusspunkt unter ein Lebenswerk, das Generationen von Bernauer Schülern seit 1987 geprägt hat. 

Es war einer dieser Momente, in denen die Zeit für einen Augenblick stillzustehen schien.

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Als Othmar Nickel an diesem Freitagmorgen vor seine Schülerinnen und Schüler trat, war die Luft in der Tobias-Seiler-Oberschule geladen mit Emotionen. Es war kein gewöhnlicher Abschied, es war die persönliche Botschaft eines Mannes, der sein „Baby“ – wie er die Schule liebevoll nannte – nun in neue Hände übergibt. Mit Tränen in den Augen blickte Nickel in die Menge und bedankte sich für das Vertrauen und die gemeinsame Reise.

In seinen Abschiedsworten schwang tiefer Stolz mit, besonders wenn er über die Entwicklung seiner Schützlinge sprach. „Manche haben sich so unglaublich entwickelt, da bin ich selbst ein Stück weit mit Stolz erfüllt“, gab er sichtlich bewegt zu. Doch statt trockener Ratschläge gab er den Jugendlichen eine Lebensweisheit mit auf den Weg, die weit über den Lehrplan hinausgeht:

„Wünscht euch Dinge, die man nicht kaufen kann. Denkt an euch, seid auch mal ein bisschen egoistisch im positiven Sinne – glaubt an eure eigenen Ziele und rennt nicht jedem Idioten oder Rattenfänger hinterher. Macht euer Ding!“

Nickel reflektierte auch seine eigene Zeit kritisch und menschlich. Er gab offen zu, in emotionalen Momenten – gerade auf dem Sportplatz – auch mal ungerecht gewesen zu sein. „Mea Culpa“, sagte er aufrichtig, „wir sind alle Menschen, wir machen alle Fehler. Das müssen wir einander zugestehen.“ Sein Vermächtnis an die Schulgemeinschaft ist klar: Akzeptanz der Verschiedenheit. „Es wäre furchtbar, wenn wir alle gleich wären. Wir müssen uns respektieren und gut miteinander umgehen, dann wird vieles im Leben leichter.“

Ein ganz besonderer Dank ging an seine Stellvertreterin Petra Sommer. „Die letzten zehn Jahre mit dir waren eine Zeit, die ich nie vergessen werde“, so Nickel unter dem Jubel der Schülerschaft. Es sei dieses solidarische Miteinander im Kollegium gewesen, das die Schule auch durch schwierige Zeiten getragen habe.

Wenn Othmar Nickel nun den Barnim urlaubsbedingt eine Weile verlässt, zieht es ihn in die Ferne. Südostasien ist das Ziel. Er freut sich darauf, „so zu essen wie die Leute dort, so zu leben wie sie“ und mit einer offenen Dankbarkeit neue Kulturen aufzusaugen. Doch so weit die Reise auch geht, ein Teil seines Herzens bleibt an der Zepernicker Chaussee. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedete er sich mit Worten, die hoffentlich noch lange in den Fluren nachhallen werden:

„Ich glaube an euch. Glaubt an euch selbst! Und wenn es am Ende noch nicht gut ist, dann ist es auch noch nicht das Ende.“

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Ein Thüringer für die Hussitenstadt

Der Weg von Othmar Nickel an die Spitze der Tobias-Seiler-Oberschule war eigentlich ein „Zufall“ der Geschichte. 1987, frisch nach dem Studium an der Humboldt-Universität, schickte ihn die staatliche Vermittlungskommission aus dem streng katholischen Eichsfeld direkt nach Bernau. Ein Glücksgriff für die Stadt, auch wenn es ein wenig Überzeugungskraft brauchte: Bis 1994 pendelte der Lehrer für Erdkunde und Sport täglich aus Berlin-Treptow an seine Wirkungsstätte. „Es dauerte ein bisschen, bis ich meine Frau davon überzeugen konnte, mit mir ins lebenswerte Bernau zu ziehen“, verrät Nickel heute mit einem schmunzelnden Rückblick auf diese Zeit.

Dass er nicht nur gekommen war, um zu unterrichten, sondern um zu bewegen, zeigte sich schnell. Mit einer Extraportion Motivation und dem Drang, Schule aktiv mitzugestalten, folgte 1991 der logische Karriereschritt: Nickel übernahm den Posten des stellvertretenden Schulleiters. An der Seite seines Mentors, des Bernauer Urgesteins Klaus Wegener, lernte er das Handwerk der Schulführung von der Pike auf.

Doch Nickel war und ist weit mehr als „nur“ Pädagoge. Seit fast 30 Jahren bringt er sich als Kommunalpolitiker für die Belange der Bürger ein und beweist damit, dass sein Herz nicht nur für seine Schüler, sondern für die gesamte Region Barnim schlägt.

Othmar Nickel, CDU Bernau

Ein Haus der Werte: Wo Respekt noch zum Lehrplan gehört

Wer das Schulgebäude an der Zepernicker Chaussee betritt, merkt sofort: Hier ist einiges anders. Trotz der 25 Jahre, die das Haus auf dem Buckel hat, glänzt es durch Sauberkeit und eine bemerkenswerte Ruhe. Keine Graffitis, keine ramponierten Flure – stattdessen eine Atmosphäre der Entspanntheit.

Für Othmar Nickel ist das kein Zufall, sondern das Ergebnis einer klaren Haltung. Neben Mathematik, Deutsch und Biologie lernen die über 370 Schülerinnen und Schüler an der „Seiler“ vor allem eines: wie man sich benimmt. Höflichkeit, Pünktlichkeit und Toleranz sind hier keine hohlen Phrasen, sondern Basiskompetenzen, die das Kollegium täglich vorlebt. „Werte werden bei uns nicht diktiert, sie werden gelebt“, so der Tenor.

Dieser Ansatz zahlt sich aus – und das lässt sich schwarz auf weiß belegen. Während die Ausfallquote von Unterrichtsstunden landesweit oft zwischen vier und sechs Prozent schwankt, liegt sie an der Tobias-Seiler-Oberschule nach Angaben der Stadt Bernau bei rekordverdächtigen 0,5 Prozent. Ein Wert, der Bände über das Klima im 32-köpfigen Lehrerteam spricht.

Das Erfolgsgeheimnis? Solidarität und flache Hierarchien. „Bei uns herrscht ein ehrliches Geben und Nehmen“, erklärt Nickel. Das Führungsteam geht dabei mit gutem Beispiel voran: Wenn es um die Stundenverteilung geht, sichern sich Nickel und seine Stellvertreterin Petra Sommer nicht die „Rosinen“ im Stundenplan, sondern übernehmen bewusst die herausfordernden Klassen.

Diese Philosophie hat sich im Barnim herumgesprochen. Die Plätze in den drei jährlichen FOR-Klassen (Fachoberschulreife) und der EBR-Klasse (Berufsbildungsreife) sind heiß begehrt. Eltern schätzen die offene Ganztagsschule als einen Ort, an dem ihre Kinder nicht nur auf Prüfungen, sondern auf das Leben vorbereitet werden.

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Leidenschaft auf dem Platz: Der Teamplayer Nickel

Wenn die Schulklingel verstummt und die politischen Debatten im Barnim pausieren, zieht es Othmar Nickel dorthin, wo es nach frischem Rasen duftet: zum FSV Bernau. Seit 1995 hält er dem Verein die Treue – eine Konstante in seinem Leben, die weit über das bloße Hobby hinausgeht. Daher wurde für die gestrige „offizielle Verabschiedung“ auch das Vereinshaus des FSV Bernau gewählt.

1996 erfüllte er sich beim FSV einen lang gehegten Wunsch und übernahm das Training im Kinderbereich. „Fußballtrainer zu werden, war ein echter Kindheitstraum von mir“, erinnert er sich. Dass er diesen ehrenamtlich lebte, passt zu seinem Selbstverständnis als aktiver Gestalter der Stadtgesellschaft. Auch wenn die Zeit für eigene Einsätze am Ball knapper geworden ist, lässt er es sich nicht nehmen, in der Unternehmermannschaft aufzulaufen. Hier schätzt der 63-Jährige vor allem das, was er auch in der Schule vorlebt: den Teamgeist, das solidarische Miteinander und die herzliche Geselligkeit im Verein.

Das Fußball-Gen hat er erfolgreich weitergegeben. Zwei seiner vier Enkelkinder tragen heute ebenfalls das Trikot des FSV Bernau. In diesen Momenten schlüpft der nunmehr ehemalige Schulleiter in seine wohl liebste Rolle: Als „Opa Othmar“ steht er dann an der Bande, feuert den Nachwuchs an und genießt die Zeit mit der Familie – weit weg von Lehrplänen und Sitzungsprotokollen.

Ein Gestalter im Unruhestand: Mit Tatendrang in die nächste Runde

Othmar Nickel ist kein Mann für den Stillstand. Wer glaubt, dass er mit dem Ruhestand die Hände in den Schoß legt, kennt seinen politischen Tatendrang nicht. Seit dem Jahr 2000 prägt er als CDU-Stadtverordneter das Gesicht Bernaus mit – und seine Bilanz kann sich sehen lassen. Besonders der Ausbau von Schulen, Kitas und Sportstätten trägt seine Handschrift. „Ich agiere lieber, als dass ich reagiere, und packe lieber an, anstatt nur zu meckern“, bringt der wortgewandte Politiker sein Credo auf den Punkt.

Sein politisches Mandat läuft noch bis 2029, und die Ziele sind klar gesteckt: Nickel will die hohe Lebensqualität in der Hussitenstadt sichern. Dabei setzt er auf eine solide Finanzpolitik als Fundament, um Bernau ökonomisch wie ökologisch zukunftstauglich zu machen. Eine Herzensangelegenheit bleibt für ihn dabei stets die Bildungs- und Sportlandschaft.

Wenn am 31. Januar 2026 nach 39 Jahren der letzte Vorhang im Schuldienst fällt, beginnt für Othmar Nickel kein klassischer Ruhestand, sondern eher ein „aktiver Zeitgewinn“. Als Abgeordneter der Stadtverordnetenversammlung und als Kreistagsvorsitzender wird er sich nun mit noch mehr Fokus in seine Ämter stürzen.

Doch bei allem politischen Engagement freut er sich vor allem auf die privaten Momente, die bisher oft zu kurz kamen: mehr Zeit für die Enkelkinder, häufigere Besuche auf dem Fußballplatz und – ganz oben auf der Liste – gemeinsam mit seiner Frau die Reisewünsche zu verwirklichen, die bisher geduldig auf ihre Umsetzung warten mussten.

Wir wünschen Othmar Nickel für diesen neuen Lebensabschnitt nur das Beste – mögen die Bälle beim FSV gut rollen, die Reisen unvergesslich werden und sein Tatendrang für unsere Stadt noch lange erhalten bleiben. Alles Gute, Herr Nickel!

 

(Anders als bei den meisten weiterführenden Schulen liegt die Trägerschaft der Tobias-Seiler-Oberschule nicht beim Landkreis, sondern direkt in den Händen der Stadt Bernau.)

 

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