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Etwa 100 Rumänen mussten in Bernau ihr illegales Lager räumen

Bernau: Schön war es irgendwie nicht anzusehen. Am gestrigen späten Nachmittag mussten etwa 100 Rumänen ihre illegale Wohnstätte an der Zepernicker Chaussee/Lenastraße räumen und sofort verlassen.

Bepackt mit Schaumstoff-Matratzen, noch halb vollen Kochtöpfen, Gaskochern, Zelten oder Säcken mit Kleidung, stampften ganze Familien durch den lichten Wald in Richtung Bahnhof Friedenstal. Unter ihnen Alte, Kinder und zahlreiche Frauen. Ohne zu wissen wo sie die kommende Nacht verbringen werden und mit Polizeiwagen vor der „Tür“, verließen sie ihre illegale Behausung ins Ungewisse. Auf der anderen Straßenseite konnten wir Bernauer beobachten, die mit wüsten und lautstarken Beschimpfungen den Auszug bejubelten.

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Kein schönes Szenario und irgendwie erwischte ich mich dabei wie ich mich schämte, daneben zu stehen.

Sie glaubten an den Wohlstand

Nach einiger Zeit gelang es mir jemanden zu finden, der etwas Deutsch oder Englisch sprechen konnte. Ich wollte wissen woher sie kommen und was sie hier machen und vor allem, warum sie hier wohnen.

Nach anfänglicher Skepsis berichteten mir eine junge Frau und ein Mann, dass sie vor gut einem halben Jahr das leerstehende Gelände entdeckt haben. Sie kamen aus einem kleinen rumänischen Dorf und lebten dort bereits unter ärmlichen Verhältnissen. Bekannte berichteten vom Wohlstand in Deutschland und wie leicht es sei hier Geld zu verdienen. Da Rumänien Mitglied der EU ist, stand also einem Besuch in Deutschland nichts im Wege. Die Familie suchte hier Arbeit, was sich natürlich als sehr schwierig erwies, ebenso etwaiger Wohnraum. Da keinerlei Geldmittel für eine mögliche Wohnung vorhanden waren, zogen sie kurzerhand in die Ruinen an der Lenastraße und liessen sich dort häuslich nieder. Ohne Strom, ohne Wasser, ohne Toilette oder einer Genehmigung. Ungewollt wurden es fast wöchentlich mehr und jeder brachte irgendwen Neues mit. Bekannte, Freunde oder Kumpels gesellten sich dazu. Irgendwann waren sie, nach eigenen Angaben, dann gute 100 Personen.

Was machten sie hier?

Jeden Morgen gingen sie zum S-Bahnhof Friedenstal und fuhren in die Berliner Innenstadt um dort Sozialzeitungen, wie z.B. den Straßenfeger, zu verkaufen. Auch in Bernau, wie etwa vor Netto an der Rüdnitzer Chaussee. Das damit verdiente Geld hielt sie über Wasser und einen kleinen Teil konnten sie nach Hause senden. Für eine Wohnung reichte es zwar bei weitem nicht, aber es war noch immer mehr als sie zu Hause in Rumänien verdient hätten.

Dass sie sich auf dem Bernauer Grundstück illegal aufhielten, kam ihnen nicht in den Sinn. Auch nicht, dass sie sich z.B. mit ihren selbst gebastelten Feuerstellen tagtäglich in Gefahr begaben.

Kein haltbarer Zustand

So beschwerten sich seit längerem zahlreiche Anwohner und die Bernauer Feuerwehr musste etliche Male ausrücken um von Anwohnern gemeldete Feuerstellen zu löschen. Zudem waren die Wohnumstände, wenn wir überhaupt von „wohnen“ sprechen können, mehr als unmenschlich und gefährlich. Das Haus in welchem sie ihr Lager aufschlugen gleicht einer Ruine. Keinerlei sanitäre Anlagen, die Dächer teils eingestürzt und normal verschliessbare Fenster gab es so gut wie gar keine. Ein weiteres Problem waren die fehlenden sanitären Anlagen, kein fliessend Wasser oder die Müllentsorgung. Um die Ruine herum stapelte sich der Unrat und körperliche Hinterlassenschaften zierten den Wald.

Als ein grosses Problem erwiesen sich zudem die zahlreichen Feuer- und Kochstellen, die im Winter versuchten ein Hauch von Wärme zu geben oder das Essen erwärmen. Teils ohne jeglichen Rauchabzug oder Brandschutz hinterließen die Öfen und Herde oftmals dicken und kaum ertragbaren Qualm in den Räumlichkeiten und Drumherum.

Ein Zustand der so natürlich nicht hinzunehmen ist und die Feuerwehr, den Grundstückseigentümer, das Ordnungsamt und die Polizei auf den Plan rief. Am Montag erfolgte dann der Beschluss das Gelände zu räumen. Bis zum gestrigen Dienstag wurde den Bewohnern eine Frist gesetzt das Objekt mit ihrem Hab und Gut zu verlassen. Dies taten sie dann auch.

Auf meine Frage was sie denn jetzt machen werden und wo sie übernachten wollen, gab es nur ein Schulterzucken. Keiner von ihnen wusste wohin es gehen soll. Man dachte darüber nach, sich vorerst Schutz am Bahnhof zu suchen. Wir gehen jedoch davon aus, dass sie sich im nahen Umfeld eine andere Ruine suchen werden und alles von vorn beginnen wird.

Nach Hause wollte jedenfalls keiner fahren, einen Plan B gab es nicht und warum sie das Gelände verlassen mussten, wollte oder konnte keiner verstehen.

Seitens der Stadt Bernau wurden den Menschen vor Ort im Rahmen der Fürsorgepflicht Notunterkünfte angeboten. Dieses Hilfsangebot haben sie jedoch abgelehnt, so die Stadt Bernau. (Nachtrag: 22.02. – 16.30 Uhr nach einer Anfrage von Bernau LIVE)

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