
Bernau / Barnim: Samstagmorgen, 06:10 Uhr: Ein fiktiver Brand am Umspannwerk in der Zepernicker Chaussee setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die 45.000 Menschen schlagartig von der Außenwelt abschneiden könnten.
Was wie ein Krimi beginnt, war am heutigen Samstag, dem 21. März 2026, die bisher größte Katastrophenschutzübung der Stadt Bernau bei Berlin.
Unter dem Szenario eines flächendeckenden Stromausfalls mit einer prognostizierten Dauer von 48 Stunden verwandelte sich unsere Stadt in ein lebendiges Testlabor für die Sicherheit. Über 200 Akteure arbeiteten Hand in Hand, um die kritische Infrastruktur zu sichern. Beteiligt waren neben der Freiwilligen Feuerwehr Bernau und der Polizei auch die Johanniter, die DLRG, der Landkreis Barnim, die Barnimer Busgesellschaft (BBG), die Barnimer Dienstleistungsgesellschaft (BDG) sowie die Stadtwerke Bernau.
Das Drehbuch der Übung ließ den Einsatzkräften kaum Zeit zum Atmen: Ausgefallene Ampeln führten zu simulierten Verkehrsunfällen mit Personenschäden, Fahrstühle am Bahnhof blieben stecken, Züge standen still und die Wasserversorgung wurde knapp. Besonders kritisch war die Suche nach Beatmungspatienten in Pflegeeinrichtungen, die über keine eigenen Notstromaggregate verfügen. Beinahe im „Minutentakt“ mussten Feuerwehr und Rettungsdienst stadtweit zu Einsätzen jeglicher Art ausrücken – eine Vielzahl an Personen ehrenamtlich in ihrer Freizeit.
Ein zentraler Baustein der Krisenstrategie war die Inbetriebnahme der zehn sogenannten „Katastrophenschutz-Leuchttürme“. Diese Anlaufstellen wurden probeweise aufgebaut, mit Notstrom versorgt und dienten als Kommunikationsanker für die Bevölkerung. Auch die Schnelleinsatzgruppe (SEG) des Landkreises probte hier den Aufbau von Zelten und Notlager-Kapazitäten. Krisenstab wie auch die Einsatzleitung koordinierten und überwachten aus dem Neuen Rathaus jede noch so kleinste Aufgabe und Rettungsaktion.
Bürgermeister André Stahl zog am Nachmittag eine positive Bilanz: „Ein flächendeckender Stromausfall ist ein Szenario, das wir uns nicht wünschen, das aber jederzeit eintreten kann. Die Übung hat gezeigt, dass unsere Abläufe und die Zusammenarbeit nahezu perfekt funktionieren.“
Auch Landrat Daniel Kurth lobte den Mut zur großangelegten Übung: „Krisen machen nicht an Stadtgrenzen halt. Nur durch regelmäßiges Training können wir im Ernstfall wirkungsvoll handeln.“
Trotz des massiven Aufgebots an über 80 Rettungskräften, 60 Verwaltungsmitarbeitenden und 70 Ehrenamtlichen blieb der Alltag für die Bürger weitgehend ungestört. Abgesehen von Sirenenproben und Warn-Apps lief das öffentliche Leben normal weiter – ein Zeichen für die diskrete, aber präzise Organisation im Hintergrund.
Um 14:31 Uhr flackerte schließlich die Entwarnung über die Bildschirme der Smartphones: Die Warn-Apps Katwarn und NINA beendeten offiziell die Großübung in Bernau. Auch wenn im Getümmel der simulierten Krisenherde noch nicht jedes Rädchen perfekt ins andere griff, ziehen die Verantwortlichen ein durchweg positives Fazit.
Die kommenden Tage werden nun im Zeichen der Analyse stehen, um den heutigen Einsatz in aller Detailtiefe auszuwerten und unsere Stadt Bernau für den echten Ernstfall noch sicherer zu machen.
Wir bedanken uns für die spannenden Einblicke.
Die „Leuchttürme“ der Stadt Bernau als Anlaufstelle für Bürger
Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts sind die sogenannten Katastrophenschutz-Leuchttürme. Diese fungieren im Ernstfall als lokale Anlaufstellen und „Wärmeinseln“ für die Bevölkerung. Die Übung prüft deren Funktionsfähigkeit in folgenden Bereichen:
- Informationsaustausch und Notruffunktionen
- Notstrom- und Trinkwasserversorgung
- Erste-Hilfe-Angebote und Wärmeversorgung
- Koordination von spontanen Helfern aus der Bürgerschaft
In Bernau gibt es im Notfall folgende Standorte:
- Sparkassen‑Arena Bernau, Ladeburger Chaussee 2
- Erich‑Wünsch‑Halle, Heinersdorfer Straße 52
- Ortsteilzentrum Schönow, Schönerlinder Straße 25a
- Gemeinschaftshaus Birkholz, Birkholzer Dorfstraße 24
- Gemeinschaftshaus Birkenhöhe, Eschenstraße 3
- Gemeinschaftshaus Birkholzaue, Alte Bernauer Landstraße 3a
- Gutsverwalterhaus und Kulturspeicher Börnicke, Ernst‑Thälmann‑Straße 1a
- Ortsteilzentrum Ladeburg, Bernauer Straße 7
- Alte Schmiede Lobetal, An der Schmiede 2
- Besucherzentrum Bernau in Waldfrieden, Hans‑Wittwer‑Str. 1
Weitere Informationen zum Thema findet Ihr auf der Homepage der Stadt Bernau bei Berlin.
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