
Bernau / Barnim: Fast jeder zweite Haushalt im Landkreis Barnim lebt in den eigenen vier Wänden. Mit einer Wohneigentumsquote von 49,9 Prozent liegt unsere Region deutlich über dem Bundesdurchschnitt.
Doch eine neue Untersuchung des Pestel-Instituts zeigt: Hinter den glänzenden Zahlen verbirgt sich eine tiefe Kluft. Während 48.700 Haushalte bereits im Eigentum leben, rückt der Traum vom Haus für die nachfolgende Generation in weite Ferne.
Vom Einfamilienhaus bis zur Eigentumswohnung: Im Landkreis Barnim nutzen rund 48.700 Haushalte die eigenen vier Wände selbst. Laut einer aktuellen Analyse des Pestel-Instituts liegt die Wohneigentumsquote in der Region damit bei beachtlichen 49,9 Prozent – und damit deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 43,5 Prozent.
Interessantes Detail: Nur fünf Prozent der Selbstnutzer leben in einer Eigentumswohnung; der Rest entfällt auf Häuser. Die im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) erstellte Studie ordnet die Zahlen zudem international ein: „Deutschland ist und bleibt ein Mieter-Land“, erklärt Matthias Günther vom Pestel-Institut. Im europaweiten Vergleich landet die Bundesrepublik beim Wohneigentum lediglich auf dem vorletzten Platz.
„Die eigenen vier Wände rangieren bei den Menschen zwar immer noch ganz oben auf der Wunschliste. Aber gerade die 25- bis 40-Jährigen können sich immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten“, sagt Matthias Günther.
Rund 31.200 Menschen dieser Altersgruppe leben nach Angaben des Pestel-Instituts aktuell im Landkreis Barnim. Immer mehr von ihnen seien allerdings gezwungen, dauerhaft zur Miete zu wohnen. „Dabei gehören gerade Jobstarter und Familiengründer zur typischen Klientel für Wohnungskauf und Hausbau. Aber die ‚Nestbauer-Generation‘ ist längst zur Verlierer-Generation beim Wohneigentum geworden“, so Matthias Günther.
„Es fehle an staatlicher Unterstützung“, kritisiert der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel: „Der Bund hat zuletzt die Eigenheimzulage und dann das Baukindergeld abgeschafft – und damit die effektive Förderung von Wohneigentum faktisch eingestellt“, sagt BDB-Verbandspräsidentin Katharina Metzger.
Metzger fordert die Bundesregierung auf, schnell ein Programm für Wohneigentum – eine „Haus-Förderung“ – in die Wege zu leiten: „Notwendig sind direkte Zuschüsse. Geld vom Bund also, das auch Durchschnittsverdiener im Kreis Barnim in die Lage versetzt, endlich eine Chance auf die eigenen vier Wände zu haben: ein Startkapital für das erste selbst genutzte Wohneigentum.“ Außerdem sei ein Niedrigzinsprogramm notwendig.
Wer Wohneigentum anschaffen wolle, müsse in die Lage versetzt werden, dies auch mit nur wenig Eigenkapital zu schaffen. „Das bedeutet dann aber auch, den Gürtel enger zu schnallen. Von Urlaubsreisen bis zum Autokauf: Wer Wohneigentum will, muss über viele Jahre erhebliche Abstriche machen, lebt dann aber auch für Jahrzehnte in den eigenen vier Wänden und zahlt keine Miete mehr“, so Katharina Metzger.
Wichtig sei, dass die Förderung des Bundes für die „Chance auf Wohnen im Eigentum“ kein „kompliziertes Bürokratiemonster“ werden dürfe. Dabei ziehen der Baustoff-Fachhandel und der Dachverband der Mauerstein-Industrie an einem Strang: Das Startkapital des Staates müsse genauso wie zinsgünstiges Baugeld schnell und einfach bereitgestellt werden, sagt Hannes Zapf. Er ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM).
Zapf fordert außerdem, der Bund müsse seine Unterstützung für Wohneigentum langfristig garantieren. „Es muss eine Marathon- und darf keine Sprint-Förderung geben. Wer sich heute entscheidet, Geld für ein Haus oder eine Eigentumswohnung zu sparen, muss sich auch in drei, fünf oder sieben Jahren noch darauf verlassen können, dass die Förderung als feste Zusage des Staates steht“, so Hannes Zapf.
An die Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD aus dem Landkreis Barnim und ganz Brandenburg appelliert die Präsidentin des Baustoff-Fachhandels, Katharina Metzger, Wort zu halten: „Im Koalitionsvertrag steht klipp und klar, dass Wohneigentum gefördert werden soll. Aber wann, wenn nicht jetzt?“ Passiere nichts, gehe die Hängepartie weiter: „Alle warten auf Unterstützung vom Bund. Solange die nicht kommt, liegt der Traum von den eigenen vier Wänden weiterhin auf Eis“, so Metzger.
Immerhin sei das Wohneigentum auch fürs Alter wichtig: „Als bewohnbare Rente – als ein Stück ‚Rente in Stein‘ nämlich“, macht Hannes Zapf deutlich. Das beste Beispiel dafür seien die geburtenstarken Jahrgänge: „Die Baby-Boomer gehen jetzt nach und nach in Rente. Damit haben sie deutlich weniger Geld im Portemonnaie. Die Miete bleibt aber oder steigt sogar. Die Folge: Immer mehr Neu-Rentner können sich ihre bisherige Wohnung nicht mehr leisten – sie wohnen sich arm“, sagt Matthias Günther. Für den Chef-Ökonomen des Pestel-Instituts ist die „Wohnarmut im Alter vor allem eine Mieterarmut“. Wer Wohneigentum habe, komme finanziell im Alter „deutlich besser über die Runden“.
Unsere Quellen: Pestel-Institut, Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB).
- Immobilienmarkt im Barnim: Bodenpreise zeigen sich weitgehend stabil
- Wohnungsmarkt: Mietpreisbremse für Bernau, Ahrensfelde oder Biesenthal
- Wohnen im Barnim: IG BAU warnt vor Drehen an der Mietenschraube
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