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60 Jahre Städtepartnerschaft Bernau – Champigny-sur-Marne

Auf eine lange Freundschaft

Bernau / Champigny-sur-Marne: Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit feierte Bernau an diesem Wochenende die 60-jährige Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Champigny-sur-Marne.

Mit einem Festakt wurde die diamantene Freundschaft im Neuen Rathaus mit zahlreich geladenen Gästen gefeiert. Unter ihnen Laurent Jeanne, Bürgermeister von Champigny-sur-Marne, Landrat Daniel Kurth, Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Bernau und natürlich Bernaus Bürgermeister André Stahl.

1962 war es als die damaligen Bürgermeister Dr. Hans Ärmer und Louis Talamoni den Freundschaftsvertrag zwischen den beiden Städten in Bernau unterzeichneten. Mit ihm vereinbarten beide Städte einen regelmäßigen Austausch auf kulturellem, sozialem, ökonomischem, touristischem und sportlichem Gebiet im Interesse der Einwohnerin- nen und Einwohner ihrer Städte. Nach nunmehr 60 Jahren wurde der Vertrag am vergangenen Samstag beidseitig erneuert und aufgefrischt.

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Bereits im Vorfeld hatte sich die Stadt Bernau gut auf diesen Tag vorbereitet. Eigens hierfür wurde eine interessante und optisch tolle Broschüre angefertigt, die den Werdegang der Freundschaft mit Anekdoten und Bildern der vergangenen 60 Jahre dokumentiert. Auch zur Festveranstaltung wurde ein großartiger Rahmen im Neuen Rathaus geschaffen. Neben einzelnen Reden der beiden Bürgermeister trug sich Laurent Jeanne in das Gästebuch unserer Stadt ein und das brandenburgische Konzertorchester unterhielt die anwesenden Gäste mit einem großartigen Konzert, welches musikalisch beide Länder gleichermaßen bediente.

Auch wenn es in den letzten Jahren mitunter etwas ruhiger zwischen den beiden Städten war, so gab es in den letzten 20 Jahren immer wieder kleine oder größere Begegnungen beider Städte. Es gab gelegentliche Arbeitstreffen, ein künstlerischer Freundeskreis wurde gegründet, es entwickelte sich bei einem gegenseitigen Kultur-Austausch eine private Liebe, die bis heute hält, die Bürgermeister besuchten sich gelegentlich, die Bernauer Sänger gastierten in Frankreich oder Laurent Jeanne eröffnete zusammen mit André Stahl das diesjährige Hussitenfest Bernau. All dies soll nun wieder intensiviert werden und der Freundschaft einen neuen Anlauf geben.

Champigny-sur-Marne zählt aktuell knapp 77.000 Einwohner und unterteilt sich in 12 Bezirke, liegt am Fluss Marne und befindet sich etwa 16 Kilometer südöstlich von Paris. Hier gehts zur Homepage.

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Festrede von Bürgermeister André Stahl:

„Ich heiße Sie alle Herzlich willkommen, bien venu!

Wir sind hier heute feierlich zusammengekommen, weil wir die seit 60 Jahren bestehende Partnerschaft und Freundschaft der Städte Bernau und Champigny würdigen wollen!

60 Jahre – das ist eine beachtliche Zeit! In Ehejahren diamanten! Statistisch betrachtet sind das mehr als zwei Generationen. Und mit Blick auf die Bürgermeister beider Städte hat die Partnerschaft ein gutes Dutzend Bürgermeister geprägt! Das zeigt, Menschen kommen und gehen, aber richtig gute Freunde und Partner bleiben für immer!

Unsere Freundschaft und Partnerschaft ist mit Blick in die Geschichtsbücher eine wirklich Besondere! Sie ist in politisch höchst angespannten Verhältnissen entstanden. Städtepartnerschaften haben sich in Deutschland vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg gebildet. Sie dienten und dienen der freundschaftlichen Zusammenarbeit und sind oft durch den Austausch von Bürgern getragen. Grundlage von Städtepartnerschaften sind meist Partnerschaftsverträge oder Partnerschaftsurkunden.

Der Beginn der Partnerschaft zwischen Bernau bei Berlin und Champigny-sur-Marne fällt in die Zeit des Kalten Krieges. Den jahrzehntelangen Konflikt zwischen den Westmächten und den Ostmächten. Der Konfrontation zwischen Kapitalismus und Kommunismus.

In Westdeutschland wurden deutsch-französische Städtepartnerschaften „von oben nach unten“ organisiert: Zuerst gab es die Aussöhnung auf nationalstaatlicher Ebene durch den Elysée-Vertrag, dann die Gründung des Deutsch-französischen Jugendwerks, dann Städtepartnerschaften. In der DDR ging man den umgekehrten Weg! Am Anfang standen Partnerschaften mit hauptsächlich kommunistisch regierten Städten im kapitalistischen Ausland. In der Phase der Nichtanerkennung der DDR bildeten Städtepartnerschaften ein vordiplomatisches Instrument. Denn offizielle Partnerschaften mit französischen Kommunen waren für die DDR ein erstes Bekenntnis zur Anerkennung des ostdeutschen Staates. Grundlage war die Mitgliedschaft im 1957 gegründeten Deutschen Städte- und Gemeindetages der DDR.

Gerahmt wurden die Partnerschaften durch die transnationale Nichtregierungsorganisation der Weltföderation der Partnerstädte. der Fédération mondiale des villes jumelées (FMVJ). Die Partnerschaften waren meist mit dem Titel Accord d’amitie – Freundschaftsvertrag besiegelt. So auch bei uns!

Wie genau es dazu kam, dass ausgerechnet die beiden Städte Bernau und Champigny Partner wurden, ist nicht mehr nachzuvollziehen. In den Archiven ist nur nachzulesen, dass Bernau 1960 Mitglied der Weltföderation der Partnerstädte der DDR wurde. Noch im gleichen Jahr entstanden erste Kontakte mit Champigny. Vielleicht war die vergleichbare Nähe zur jeweiligen Hauptstadt entscheidend? Vielleicht die Größe? Vielleicht fand jemand die Namen spannend – ich weiß es nicht.

Auf jeden Fall diente die Freundschaft in ihren Anfängen klar einem übergeordneten Nutzen: der völkerrechtlichen Anerkennung der DDR. Aus Champigny kam dann im Jahr 1961 der wichtige Impuls und somit der erste Schritt auf den Weg unserer Partnerschaft. Im Juni 1961 beschloss Champigny, eine Partnerschaft mit Bernau anzustreben. Im März 1962 war es dann soweit, der französische Bürgermeister Louis Talamoni reiste nach Bernau. Und rein formal wurde am 27.03.1962 der Partnerschaftsvertrag geschlossen. Ratifiziert wurde er dann ein halbes Jahr später, im Oktober. Da aber der Jahrestag der DDR auf einen Sonntag fiel, wurde der Freundschaftsvertrag ganz in Verwaltungsmanier am 8. Oktober unterzeichnet und auf den 7. Oktober 1962 zurückdatiert. Von da an nahmen interkulturelle, schulische und betriebliche Kontakte zwischen beiden Städten ihren Lauf. Doch bis in die 70er Jahre nur einseitig.

Aufgrund der Nichtanerkennung der DDR durch Frankreich konnten Delegationen nach Bernau reisen. Und das taten sie auch. Bis zu fünfmal im Jahr. Andersherum war das nicht möglich! Bernaus Bürgermeister Ernst Hube durfte als erster nach Champigny reisen! Er erhielt 1970 ein Einreisevisum. Und so durfte er am 13. Juni 1970 an der offiziellen Feier der Partnerschaft von Champigny und Bernau in Champigny in Anwesenheit von Vertretern der Weltföderation teilnehmen.

Erst vor 3 Wochen durfte ich mir alte Fotoaufnahmen davon ansehen! Die Situation für die Partnerstädte änderte sich ab 1973 mit der Anerkennung der DDR durch Frankreich. Die Kontaktpflege wurde einfacher. Und spätestens ab den 80er Jahren entstand ein reger Austausch in beide Richtungen. Rückblickend kann ich sagen, dass es in den 60 Jahren unserer Partnerschaft immer wieder größere und kleinere Wellen gab. Wie in einer guten Ehe.

Und gerade durch das Engagement einzelner Akteure und Personen wurde unsere Städtepartnerschaft auch in den schwächeren Phasen weitergetragen. Frau Rebs, Frau Schreier, Frau Ärmer, Frau Behr und natürlich Frau Rollot möchte ich hier stellvertretend für die vielen Akteure unserer Partnerschaft in beiden Städten danken. Dass unsere Partnerschaft so lange Bestand hat, hätten die Bürgermeister damals – Hans Ärmer und Louis Talamoni – vielleicht nicht erwartet. Sie hatten damals große Ziele: durch Freundschaft Frieden zu sichern. Heute sieht es eigentlich ähnlich aus.

In der Welt wird gekämpft und insbesondere der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland lässt uns alle sorgenvoll an die Vergangenheit denken und genauso sorgenvoll in die Zukunft blicken. Schon aus diesem Grund ist es wichtig, dass wir unsere seit 60 Jahren bestehende Partnerschaft erneuern und unseren Freundschaftsvertrag von 1962 zwischen Champigny-sur-Marne und Bernau bei Berlin offiziell bestätigen. Denn 60 Jahre freundschaftliche Verbundenheit ist nicht nur ein beachtliches Jubiläum, sondern auch eine wunderbare Gelegenheit, die freundschaftliche Verbundenheit zu bekräftigen.

Und wir können noch so viel voneinander lernen. Der berühmte Blick über den Tellerrand hinaus fällt bei einem langjährigen Partner viel leichter. Ob im Bereich Bildung, in der Kultur, im Sport oder bei Themen der Verwaltung können unsere Städte weiter voneinander lernen. Auf dass unsere Partnerschaft auch in Zukunft ein leuchtendes Beispiel für den gelebten europäischen Gedanken ist!

Und auf dass von diesem Festakt viele weitere Impulse für die Partnerschaft ausgehen!

André Stahl“

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