
Bernau / Landkreis Barnim: Dauerfrost und eine geschlossene Eisdecke machen Rehen und Hirschen im Barnim derzeit das Überleben schwer. Da das Wild kaum noch natürliche Nahrung findet, hat die Untere Jagdbehörde nun offiziell die „Notzeit“ ausgerufen.
Die anhaltende Kältewelle im Landkreis Barnim hat nun ernste Konsequenzen für die heimische Tierwelt. Was für Winterspaziergänger nach Idylle aussieht, bedeutet für das Schalenwild – also Rehe, Dam- und Rotwild sowie Wildschweine – einen harten Überlebenskampf. Da Äcker, Wiesen und Wälder unter einer hartnäckigen Schnee- und Eisschicht begraben sind, kommen die Tiere nicht mehr an ihre natürliche Nahrung (die sogenannte Äsung).
Zwar sind Wildtiere biologisch darauf eingestellt, im Winter von ihren Fettreserven zu zehren und ihren Energieverbrauch zu drosseln. Doch die aktuelle Wetterlage ist extrem: Die flächendeckende Vereisung verhindert die Nahrungsaufnahme so stark, dass die Tiere diese Reserven schneller verbrauchen als vorgesehen. Um ein Sterben oder schwere Schäden an den Waldbeständen durch hungriges Wild zu verhindern, hat die Untere Jagdbehörde des Landkreises – nach Abstimmung mit der Naturschutzbehörde – die offizielle Notzeit ausgerufen.
Durch diesen rechtlichen Schritt ändert sich die Verantwortung für die Jagdausübungsberechtigten (Jäger und Revierpächter) im Landkreis:
- Fütterungspflicht: Während das Füttern von Wild im Normalfall streng untersagt ist, sind Jäger nun verpflichtet, bzw. angehalten, dem Wild artgerechtes Futter bereitzustellen oder für Futterflächen zu sorgen.
- Jagdschutz: Oberstes Ziel ist es jetzt, das Wild vor dem Verhungern zu bewahren.
- Ruhe im Wald: Die Behörden appellieren zudem indirekt an die Bevölkerung. Da jede Flucht in der Notzeit lebenswichtige Energie kostet, ist es für die Tiere entscheidend, im Wald nicht durch abseits der Wege laufende Menschen oder frei laufende Hunde aufgeschreckt zu werden.
Die Anordnung gilt mit sofortiger Wirkung und bleibt so lange bestehen, bis die Witterung eine selbstständige Versorgung der Tiere wieder zulässt.
Die Allgemeinverfügung kann hier in offizieller Form eingesehen werden und tritt am 7. Februar 2026 in Kraft.
Der Landesjagdverband Brandenburg (LJVB) begrüßt diese Entscheidung ausdrücklich:
In einer Mitteilung dankt der LJVB dem Landkreis Barnim für das umsichtige und entschlossene Handeln und sieht darin ein weiteres positives Beispiel für verantwortungsvollen Tierschutz auf kommunaler Ebene.
„Der Landkreis Barnim hat die aktuelle Wetterlage mit flächendeckender Eisbildung sorgfältig geprüft und verantwortungsvoll reagiert. Mit dem Ausrufen der Notzeit wird Jägerinnen und Jägern die Möglichkeit gegeben, Wildtiere in der bestehenden Extremsituation gezielt und artgerecht zu unterstützen.“
Der Landesjagdverband Brandenburg hofft, dass weitere Landkreise bei vergleichbarer Lage zeitnah folgen und wiederholt seinen Appell an Wald- und Naturbesucher, sich während der Notzeit besonders rücksichtsvoll zu verhalten.
„Bitte bleiben Sie auf den Wegen, verhalten Sie sich ruhig und führen Sie Hunde konsequent an der Leine. Der Stoffwechsel der Wildtiere ist im Winter stark reduziert, um Energie zu sparen. Jede unnötige Beunruhigung führt zu zusätzlichem Energieverlust und erhöht das Risiko von Verletzungen durch Flucht über vereiste Flächen.“
Weitere Informationen zum Thema und zur Notzeit auf den Seiten des Landesjagdverbandes.
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