
Wandlitz / Barnim: Wenn die Kulturbühne „Goldener Löwe“ bis auf den letzten Platz gefüllt ist und irischer Folk durch die Gänge schallt, dann feiert Wandlitz den Auftakt des neuen Jahres.
Am 23. Januar lud Bürgermeister Oliver Borchert zum traditionellen Neujahrsempfang – und rund 200 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Ehrenamt folgten dem Ruf. Unter den Anwesenden begrüßte das Gemeindeoberhaupt unter anderem den Bundestagsabgeordneten Stefan Zierke sowie Landrat Daniel Kurth.
Die Oranienburger Band „The Stout Scouts“ sorgte mit mitreißendem schottischem und irischem Folk sofort für eine gelöste Atmosphäre. Um den Abend dynamisch zu gestalten, holte sich Borchert professionelle Unterstützung auf die Bühne: Radiomoderatorin Clara Himmel führte gewohnt charmant durch das Programm und fühlte dem Bürgermeister im Talk-Format „auf den Zahn“.
Bevor jedoch der Blick nach vorn gerichtet wurde, gehörte die Bühne den Helden des Alltags. Mit sichtlich bewegten Worten dankte Oliver Borchert den Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren für ihren unermüdlichen Einsatz beim Großbrand auf dem Bogenseeareal. Die Reaktion des Saals war eindeutig: Mit minutenlangem Applaus und stehenden Ovationen zollten die Gäste den Einsatzkräften tiefsten Respekt für ihre kräftezehrende Arbeit der vergangenen Tage.
In seinem anschließenden Resümee schlug Borchert jedoch auch nachdenkliche Töne an. Während er die lokale Entwicklung der Gemeinde lobte, zeigte er sich angesichts der Weltpolitik ungewohnt emotional. Besonders der andauernde Ukraine-Krieg und die politische Unberechenbarkeit unter der US-Präsidentschaft von Donald Trump beschäftigen das Gemeindeoberhaupt. In deutlichem Ton fand er klare Worte des Unverständnisses für die globalen Entwicklungen, bevor er den Fokus wieder auf die anstehenden Herausforderungen direkt vor der Haustür in Wandlitz lenkte.
Nach seinem Exkurs in die Weltpolitik schlug Borchert den Bogen zurück in die Heimat. Er verdeutlichte, dass globale Krisen – von Energiekosten bis zur Migration – längst am heimischen Küchentisch in Wandlitz angekommen sind. In einem flammenden Plädoyer gegen Populismus fand er klare Worte: „Wir brauchen keine Politik durch Angstmacher und Schwarzmaler. Eine gute Zukunft gibt es nur durch Demokratie und Freiheit“, betonte der Bürgermeister unter dem Beifall der Gäste. Sein Wunsch für die Zukunft: „Weniger Ego, weniger Machtfantasien – und deutlich mehr Verantwortungsbewusstsein und Solidarität.“
Nach diesen Grundsatzworten übernahm Clara Himmel die Regie. Im lockeren Talk führte sie das Gemeindeoberhaupt durch die lokale Agenda. Dabei standen die dringend benötigten Schulneubauten in Klosterfelde und Schönwalde ebenso im Fokus wie ein Herzensprojekt der Gemeinde: der angestrebte Rückerwerb des Wandlitzsees. Die Botschaft war deutlich: Wandlitz will gestalten und die eigene Infrastruktur sowie die Naturdenkmäler der Region sichern.
Natürlich kam das Gespräch auch auf die jüngsten, dramatischen Ereignisse am Bogensee. Dass der historische Saal im Hauptgebäude am Mittwochabend den Flammen zum Opfer fiel, ging Borchert sichtlich nah. Doch wer ein Einknicken vor der neuen Situation erwartet hatte, wurde enttäuscht. Trotz des „historischen Verlusts“ hält der Bürgermeister unverrückbar an der Erstellung einer Machbarkeitsstudie fest. Das Feuer markiere zwar eine Zäsur, aber keinesfalls das Ende für die Bemühungen um ein tragfähiges Nutzungskonzept des geschichtsträchtigen Areals.
Ein weiteres Projekt, das Borchert mit Leidenschaft vorantreibt, ist der Rückerwerb des Wandlitzsees. Für ihn ist die Sache klar: „Der See ist das Herzstück der Gemeinde und gehört ganz selbstverständlich in deren Hände.“ Nach mehreren Gesprächen mit dem aktuellen Eigentümer zeigte sich der Bürgermeister optimistisch, einen Weg gefunden zu haben, um das Gewässer „wieder nach Hause zu holen“. Konkrete Details dazu werden die kommenden Monate liefern.
Dass Wandlitz nicht nur politisch, sondern auch sportlich einiges zu bieten hat, bewiesen die Ehrungen des Abends: Der PSV Basdorf und Union Klosterfelde wurden für ihre herausragenden sportlichen Leistungen im vergangenen Jahr ausgezeichnet – ein Moment, der den Stolz auf die lokale Vereinsarbeit unterstrich.
Den offiziellen Teil beschloss Landrat Daniel Kurth mit einer besonderen Geste: Er überbrachte nicht nur herzliche Grüße des Landkreises, sondern hatte auch die genehmigte Haushaltssatzung im Gepäck – das grüne Licht für die kommenden Investitionen der Gemeinde.
Damit war der Weg frei für den geselligen Teil des Abends. Bei einem reichhaltigen Büfett und anregenden Gesprächen ließen die Gäste den Empfang bis in die späten Abendstunden ausklingen. Ein gelungener Start in ein Jahr, das für Wandlitz viel bereithält.
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