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Zurück in die Selbstständigkeit – Geriatrische Fachabteilung der Brandenburgklinik

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Bernau (Barnim): Dr. Johannes Wolf hat noch etwas vor im Leben, sagt er. Der 90-Jährige möchte seine Urenkel zu Besuch empfangen oder seine Schwester hunderte Kilometer entfernt besuchen.

Er möchte in seinem Garten unter seinem schattigen Pavillon die Natur blühen sehen. Vor allem möchte er so wenig wie möglich auf Hilfe angewiesen sein. „Denn umso mehr können wir uns dann als Menschen verwirklichen. Das ist mir wichtig“, sagt er.

Der Panketaler schätzt die Selbstständigkeit bewusster als die meisten. Es ist wochenlang her, als er zusammenbrach. Lungenentzündung, Krankenhaus. „Plötzlich konnte ich nichts mehr, was sonst alltäglich war. Ich konnte nicht einmal eine Gabel halten, mich weder anziehen noch ausziehen“, erinnert sich Dr. Johannes Wolf. Gewohnheiten im Alltag, eigenständig leben: undenkbar. Doch der 90-Jährige hat sich zurückgekämpft – mithilfe der Therapeuten, Ärzte und Pfleger in der geriatrischen Reha der Brandenburgklinik in der Bernauer Waldsiedlung.

Wenn mehrere Krankheiten zusammenkommen

Seit Beginn des Jahres sorgt die Brandenburgklinik mit einem ganzheitlichen, medizinischen Ansatz für die Rehabilitation von Menschen im hohen Alter in einer geriatrischen Fachabteilung. Geriatrie bedeutet Altersmedizin. Sie betrachtet die Senioren – oft ab 75 Jahren – nach einer schweren, akuten Erkrankung auch hinsichtlich oft typischer Alterserkrankungen. „Die Palette der Erkrankungen ist sehr breit und umfasst sowohl internistische, kardiologische Erkrankungen als auch orthopädische und auch die neurologischen Erkrankungen“, erklärt die Chefärztin der Geriatrie in der Brandenburgklinik, Susanne Mährlein-Bischoff.

Foto: Brandenburgklinik / Chefärztin Susanne Mährlein-Bischoff ist Fachärztin für Geriatrie.

Das Zusammenspiel aus Hauptdiagnose und vieler, typischer Alterserkrankungen hat die Folge, „dass die Medikation als auch das therapeutische Vorgehen individuell auf die Belange des einzelnen Menschen abgestimmt werden müssen.“ Und das Ziel? Das ist in der Regel die Wiederherstellung der eigenen Selbstständigkeit, die Rückkehr in die Häuslichkeit und Schmerzfreiheit.

Weitere Arbeitsplätze in der Region

Die Nachfrage nach den inzwischen 40 Geriatrie-Plätzen ist groß. Nach und nach soll die geriatrische Abteilung in der Brandenburgklinik ausgebaut werden. Das bedeutet auch, dass immer mehr Arbeitsplätze in der Region geschaffen werden – vom Service, über die Pflege bis hin zur Therapie. Im Kontext des Fachkräftemangels im Bereich der medizinischen Berufe ist das eine Herausforderung. „Wir möchten deshalb die Gelegenheit bieten, die Abteilung kennenzulernen und mit möglichen Kollegen ins Gespräch zu kommen“, erklärt Verwaltungsleiterin Beate Kindsgrab-Vogel.

Am 22. Juni gibt es für Therapeuten, Pflegekräfte aber auch Servicekräfte die Möglichkeit zwischen 10 und 12 Uhr vorbei zu sehen – ganz ohne Anmeldung.

Wie sehr die Menschen im Mittelpunkt der Arbeit in der Brandenburgklinik stehen, konnte zuletzt auch Karla Grigoteit aus Bernau erleben. Die 76-Jährige ist Krebspatientin, nach ihrer letzten Behandlung war sie ans Bett ihrer schmalen Wohnung gefesselt. Ohne Hilfe kam sie nicht zum Bad. „Meine Beine waren ab den Knien völlig taub“, sagt sie. Auch ihr Mann konnte sie nicht mehr allein halten. Mehr als drei Wochen hat die 76-Jährige in der Rehabilitation gelernt, die Beine, die sich für sie wie ein Klotz anfühlten, wieder zu nutzen. „Mein Ziel in der Geriatrie war es, mit meinem Rollator durch die schmalen Gänge vom Bett in unserer Wohnung zum Bad allein gehen zu können“, sagt sie. Karla Grigoteit wollte niemandem mehr „zur Last fallen“, wie sie sagt.
Eigenständig laufen oder Wohnungswechsel

Foto: Brandenburgklinik / Karla Grigoteit möchte selbstständig sein, um niemandem zur “Last zu fallen”.

Nach und nach hat sie einen Schritt vor den anderen gesetzt – erst Laufwagenübungen, später dann das Gehen am Rollator. Therapien mit Physiotherapeuten und Ergotherapeuten, Pflege mit den Fachkräften, um sich auch weitestgehend allein der Körperpflege zu widmen. Ungeduldig sei sie in der Reha gewesen und beflügelt von der Euphorie, wieder mehr mit geringer Hilfestellung zu bewerkstelligen zu können. Man könnte auch sagen, es war der eigene Ansporn, wieder auf die Beine zu kommen. Denn die bittere Konsequenz, wenn sie es nicht schaffen würde: Wohnungswechsel oder Seniorenpflegeresidenz. „Die Reha in der Geriatrie tat mir gut“, sagt Karla Grigoteit resümierend. Sie schafft den kurzen Weg, den sie sich vorgenommen hat und kann mit ihrem Ehemann in ihren eigenen vier Wänden bleiben.

Die Rehabilitation ist allerdings keine Wunderkur. Jeder medizinische Verlauf gestaltet sich anders. „Man muss realistisch sein. Immer wieder wird auch eine Versorgung mit häuslicher Pflege erforderlich“, sagt Chefärztin Susanne Mährlein-Bischoff. In einigen Fällen kristallisiere sich zum Beispiel erst im Verlauf des rehabilitativen Aufenthaltes im Rahmen der neuropsychologischen Diagnostik eine beginnende Demenz heraus. Da geht es dann nicht nur um die Frage der Therapie, sondern auch um die enge Abstimmung mit Angehörigen.

Dr. Johannes Wolf genießt Zuhause inzwischen seine wiederanlangte Eigenständigkeit. Wolf kann am Rollator gehen, sitzen, eigenständig atmen. Er ist dankbar, weil die Mitarbeiter immer um ihn bemüht waren. „Es war wichtig, dass ich gleich ein Vertrauensverhältnis aufbauen konnte. Denn die Menschen hier haben mir zugehört, sie haben noch persönlich den Blutdruck gemessen und sind mit mir selbst die Treppen gestiegen“, sagt er. Und nichts könne nun über dieses Gefühl hinwegtäuschen, wieder er selbst zu sein.

Kurzinterview

„Die Chance, Menschen in ihrer Alltagsselbstständigkeit zu unterstützen“

Conny Spohn, Pflegedienstleiterin der geriatrischen Fachabteilung in der Brandenburgklinik

Foto: Brandenburgklinik

Was ist für Sie das Besondere an der geriatrischen Rehabilitation?

Conny Spohn: „Die Versorgung von Hochbetagten Menschen nimmt als Konsequenz des demografischen Wandels einen immer höheren Stellenwert in der Medizin ein. Durch die geriatrische Rehabilitation haben wir die Chance, Menschen in ihrer Alltagsselbstständigkeit zu unterstützen, also die Ressourcen zu erhalten oder zu fördern. Es ist toll, wenn wir die Pflegebedürftigkeit vermeiden können.“

Wie können Pflegefachkräfte dabei helfen, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden?

Conny Spohn: Im Vordergrund steht bei uns eine aktivierend-therapeutische Pflege. Das heißt, dass wir nicht nur „Hilfe zur Selbsthilfe“ leisten, sondern Aktivitäten des täglichen Lebens mit pflegerischer Unterstützung trainieren. Das kann beispielsweise die eigene Körperpflege sein, das An- und Ausziehen oder ganz simpel das Aussteigen aus dem Bett.

Welche Momente in der Geriatrie machen Sie in ihrem Job glücklich?

Conny Spohn: Es gab beispielsweise eine Patientin, die im Rollstuhl sitzend zu uns auf die Station kam. Mit einem künstlichen Hüftgelenk und einem gebrochenen Arm nach einem Sturz benötigte sie anfangs viel pflegerische Unterstützung – aber am Ende ist sie laufend und selbstständig von der Station gegangen. Betagte Menschen zeigen ihr Glück häufig stark, sie sind sehr dankbar. Und es gibt häufig sehr rührende Gespräche, die uns in unserer täglichen Arbeit ungemein bestärken und glücklich machen.

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