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Chorkonzert in der Evangelischen Sankt Marien Kirche Bernau

Chorkonzert in der Evangelischen Sankt Marien Kirche Bernau

DESIDERIUM PACIS Sehnsucht nach Frieden

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Der Amadeus-Chor Neuendettelsau ist mit seinem Programm DESIDERIUM PACIS am 23. Juni 2019 in der St. Marienkirche in Bernau bei Berlin zu Gast: Musiziert werden vier achtstimmige Kompositionen aus verschiedenen Epochen, die in je unterschiedlicher Akzentuierung die Sehnsucht nach Frieden ausdrücken. Ergänzt wird dieses a-cappella-Programm durch Orgelwerke, gespielt von Kirchenmusikdirektorin Britta Euler.

Das Konzert beginnt mit einer lateinischen Fassung des Vater unser von Jacobus Gallus (oder auch Jakob Handl, 1550-1591). Von Jesus als Modell des Betens empfohlen, übt dieses Gebet Vertrauen ein, eine Grundhaltung, die Voraussetzung für Friedensstiften ist. Übersetzt in mehr als 1000 Sprachen, weltweit gebetet, bietet es dem einzelnen, der sich je neu darauf einlässt, eine Brücke in eine friedlichere Welt. Der Amadeus-Chor lässt hier mit ‚Pater noster’ eine Vertonung aus der Zeit der Renaissance erklingen. Das 16. Jahrhundert war beflügelt von der Ausweitung des Raumes und des Denkens. Kontinente und Perspektive wurden entdeckt. Respondierende Mehrchörigkeit, cori spezzati, getrennte räumliche Aufstellung, etwa in Venedigs Markusdom, führte zu gewaltiger sinnlicher Klangpracht. Gallus gelang es, niederländische und venezianische Einflüsse zu verbinden. Sein doppelchöriges ‚Pater Noster‘ mündet in ein groß angelegtes ‚Amen‘ (übersetzt: Das werde wahr!).

Thematisch korrespondiert dieses Gebet mit Johann Sebastian Bachs (1685-1750) früher Motette ‚Ich lasse Dich nicht‘. Deren Urheberschaft war lange umstritten. Inzwischen wird das kunstvolle Stück weitgehend Bach (1712/13) zugeordnet. Der Text (Genesis 32,27) bezieht sich auf die alttestamentliche Geschichte vom Kampf am Jabbok: Jakob, der sich vom blinden Vater Segen erschlichen und vor Esaus Rache geflohen war, kehrt nach 14 Jahren reich zurück. Kurz vor dem Zusammentreffen mit Esau schickt er Familie und Güter voraus, in zwei Abteilungen, damit wenigstens eine überlebe. Er selbst verharrt in der Flussniederung. Die ganze Nacht ringt er in Schuldgefühl, Angst und Selbstzweifeln mit einem Fremden: Mann, Engel, Dämon oder Gott? ‚Ich lasse Dich nicht, du segnest mich denn!‘ Als endlich die Morgenröte anbricht, geht Jakob aus diesem Kampf um Leben und Tod hervor, verändert, mit verletzter Hüfte und neuem Namen, gesegnet – und Esau entgegen, der ihm um den Hals fällt. Bei Bach ist von der Rohheit der Szene am Jabbok wenig zu spüren. Aber die scheinbar unaufhörliche Wiederholung, die eindringliche zarte Beharrlichkeit der Bitte um Segen, die Bach mit der Anrede Jesu verknüpft, besticht. Im bewegten zweiten Teil legt Bach die Strophe ‚Weil du mein Gott und Vater bist‘ darüber, die er auch in der Kantate ‚Warum betrübst du dich, meine Seele’ (BWV 138) als Schlussvers verwendet.

Herzstück des Programms ist eine Messe: Messtexte in ihrer Abfolge bilden für Christen seit Jahrhunderten ritualisiert das Mysterium der Verwandlung, Heilung, Befreiung und Sendung in der Begegnung mit Gott ab. Josef Gabriel Rheinbergers (1839-1901) Cantus Missae in Es-Dur ist die einzige achtstimmige unter seinen 18 Messvertonungen und nach Otto Ursprung die schönste reine Vokalmesse des 19. Jahrhunderts. Sie zeichnet sich durch die Verbindung verschiedener Kompositionsstile aus: Elemente der frühen Vokalpolyphonie stoßen auf empfindsame, ausdrucksvolle Ausgestaltung des Mess-Textes. Dadurch gelingt es Rheinberger, in den einzelnen Schritten – Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus, Agnus dei – dem Hörer die Spannung zwischen Schwere und Geborgenheit und das nicht aufzulösende Geheimnis, wie das Lamm Gottes (agnus dei) die große Hoffnung auf Frieden auslöst, unmittelbar nahezubringen. Im Schlusssatz der Messe deutet Rheinberger den Frieden musikalisch an, der sich ausbreitet und verklingt.

Wolfram Buchenberg, 1962 im Allgäu geboren und inzwischen weltweit aufgeführt, legt seiner Komposition einen mittelhochdeutschen Text des Mystikers Meister Eckhart (1260-1328) zugrunde. Zeitgemäß vertont er die Frage nach innerem Frieden aus der Unruhe und Getriebenheit in frei nach dem eigenen Pulsschlag gesungenen Tempi. Aus der Stille erwächst ein vielstimmiges Gemurmel, schwillt an zu einem lauten Klangteppich, der in einem polyphonen Schrei gebündelt wird: ‚Als vil in gote, als vil in vride‘: soviel du in Gott bist, soviel bist du im Frieden. Über den Graben der Jahrhunderte, verfremdet durch die alte Sprache, lässt Buchenberg die mittelalterliche Weisheit erklingen, wie die Seele zur Ruhe komme: ‚Gott bedarf nichts, als dass man ihm ein ruhiges Herze gebe‘. Überraschend, wie ein Tongemälde eines hellen Horizontes, endet das Stück: ‚Wenn die Welt abfällt von der Seele, so ist es Abend. … in der Stille und in der Ruhe spricht Gott zu der Seele‘.

DESIDERIUM PACIS ist eine anspruchsvolle und anregende Reise durch die Musikgeschichte: Vom Barock über Romantik bis hin zur Gegenwart.

Über den Amadeus-Chor

A cappella Klangkultur aus aller Welt liegt dem Amadeus-Chor mit seinen rund 35 Sängerinnen und Sängern unter der Leitung von Benedikt Haag besonders am Herzen. Der Schwerpunkt der Chorarbeit liegt dabei auf geistlicher Literatur unterschiedlicher Epochen von der Renaissance bis zur Gegenwart. Seine Klangflexibilität und stilistische Bandbreite stellt der Amadeus-Chor nicht nur im Rahmen seiner regen Konzerttätigkeit, sondern auch durch fünf im gut sortierten Fachhandel oder über die offizielle Chorwebsite (www.amadeuschor.de) erhältliche CD-Aufnahmen (z.B. Motetten der Romantik, Skandinavische Chormusik, Amerikanische Chormusik, Unto us a Child is Born) eindrucksvoll unter Beweis. Dies belegen auch zwei Platzierungen bei den renommierten CARA Awards der Contemporary A Capella Society in der Kategorie „Best Classical Song“: 2009 Platz zwei für Eric Whitacres „Lux Aurumque“ aus der CD „Amerikanische Chormusik“ und 2012 Platz eins für Jan Sandströms „Det Är en Ros Utsprungen“ aus der CD „Unto Us a Child is Born“.

Gegründet wurde der Amadeus-Chor 1970 von Karl-Friedrich Beringer, bis 2011 Leiter des Windsbacher Knabenchores, der den Chor bis 1994 leitete. Nach Dr. Julian Tölle (1994-2001) und Nicol Matt (2001-2013) übernahm Benedikt Haag 2013 die künstlerische Leitung des Amadeus-Chores. Er war während seiner Gymnasialzeit von 1997 bis 2006 Mitglied des Windsbacher Knabenchores, studierte anschließend an der Hochschule für Musik und Theater in München zunächst Schulmusik, dann Chordirigieren bei Prof. Michael Gläser und Prof. Andreas Herrmann. Nach der Diplomprüfung im Sommer 2012 besuchte er den Master- Studiengang Chordirigieren, den er im Sommer 2014 abschloss. Als Stipendiat im Dirigentenforum des Deutschen Musikrates im Förderbereich Chor nahm er an Kursen bei Hans-Christoph Rademann, Michael Gläser, Philipp Ahmann und Jörg-Peter Weigle teil und arbeitete dabei u.a. mit dem RIAS Kammerchor, dem MDR Rundfunkchor und dem Freiburger Barockorchester. Benedikt Haag übernahm mit Beginn der Konzertsaison 2013/2014 die künstlerische Leitung des Münchner Motettenchors und ist außerdem künstlerischer Leiter des Münchner Konzertchores sowie des Kammerchores Con Moto Grafing. Neben seiner Tätigkeit als Chorleiter ist Benedikt Haag als Stimmbildner in der Münchner Domsingschule tätig.

Weitere Informationen unter www.amadeuschor.de oder bei Facebook: https://www.facebook.com/amadeuschor.neuendettelsau

Info & Bild: Amadeus-Chor Neuendettelsau

Datum

23 Jun 2019

Uhrzeit

17:00 - 19:00

Ort

Sankt Marienkirche Bernau
Kirchgasse 8, 16321 Bernau bei Berlin

Veranstalter

Amadeus-Chor Neuendettelsau
Website
https://www.amadeuschor.de

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